Metainformationen zur Seite

Gaumont-British

Gaumont‑British Picture Corporation (GBPC) wurde 1898 als Tochter des französischen Gaumont-Konzerns gegründet, die ursprünglich den Vertrieb französischer Stummfilme in Großbritannien übernehmen sollte, 1914 aber das erste größere Filmstudio Großbritanniens gegründet hatte. Die Firma wurde 1922 unabhängig, als der deutsche Finanzier und Filmproduzent Isidore Ostrer mit seinen Brüdern Mark und Maurice die Kontrolle über sie erlangte; 1927 kam es zur Fusion mit der Ideal Film Company. Sie verlegten den Tätigkeitsschwerpunkt zunächst auf die Gründung und den Betrieb von Lichtspielhäusern (1929: 280 Lichtspielhäuser; Mitte der 1930er: rund 350 Kinohäuser). Mit dem Tonfilm wurde die Kette rasch zur dominierenden Kinokette Großbritanniens. Durch den Erfolg seiner Kinohäuser ermutigt versuchte Oster sich auch selbst als Produzent, indem er die British Gaumont um eine eigene Produktionsabteilung erweiterte (Gainsborough Pictures). Diese betrieb die Studiokomplexe Lime Grove Studios, Shepherd's Bush Studios (1937 geschlossen) und Islington Studios. Der enorme Erfolg der Firma – Mitte der 1930er arbeiteten annähernd 16.000 Leute für sie – war vor allem der Verdienst des Produktionsdirektors beider Firmen, Michael Balcon, der zwischen 1932-36 durch die Verpflichtung von Spitzenleuten im In- und Ausland (u.a. Alfred Hitchcock, den deutschen Ausstatter Alfred Junge oder den Schauspieler Jessie Matthews) eine internationale Unternehmenspolitik verfolgte. Als Teil dieser Strategie wurden europäische Kooperationen gefördert und Produktionsstandards erhöht (durch Budgets von 100.000,- £ und mehr). Produziert wurden u.a. englische Versionen erfolgreicher kontinental-europäischer Filme sowie deutsch-englische Koproduktionen (z.B. FP1, 1933 oder Happy Ever After, 1932). Nach 1933 wurde die GBPC zu einem der wichtigsten Firmen deutscher Exilanten wie z.B. Conrad Veidt, Elisabeth Bergner oder Mutz Greenbaum.

Weil es nicht gelang, den amerikanischen Markt zu erschließen, wurde die Filmproduktion 1937 praktisch eingestellt. Neben Engagements im Zeitungswesen traten noch in den 1930ern Bemühungen, sich am kommenden Fernsehgeschäft zu beteiligen. Ostrer erwarb bereits im Februar 1932 die Kontrolle über die Baird Television Company (BTC). 1933 richtete die Firma einen experimentellen Fernsehsender mit einem Kurzwellensender im Kristallpalast bei Sydenham in Südlondon ein. 1936 beschäftigte BTC bereits 382 Personen. Im Oktober 1941 gab Ostrer die Kontrolle über Gaumont‑British schließlich ab, indem er seine Anteile an Gaumont sowie an Gainsborough Pictures an den Geschäftsmann Arthur J. Rank verkaufte, der seinerseits die Gaumont‑Lichtspielhäuser als Odeon Cinemas weiterführte.

Literatur: Brown, Geoff (ed.): Der Produzent: Michael Balcon und der englische Film. Berlin: Spiess 1981. – Cook, Pam (ed.): Gainsborough Pictures. London: Cassell 1997. – Eyles, Allen: Gaumont British cinemas. Burgess Hill: Cinema Theatre Association [...] 1996. – Helbig, Jörg: Geschichte des britischen Films. Stuttgart/Weimar: Metzler 1999, S. 32-35. – Ryall, Tom: A British Studio System: The Associated British Picture Corporation and the Gaumont-British Picture Corporation in the 1930s. In The British Cinema Book. Ed. by Robert Murphy. 2nd ed. London: BFI 2001, S. 35-41.