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gaze

Das engl. Verb gaze – verwandt mit schwedisch mundartlich gasa ‚Blick‘ – ist seit dem Ende des 14. Jahrhunderts (Chaucer, Canterbury Tales) in der Bedeutung ‚etwas intensiv ansehen, starren‘ belegt, als Substantiv (‚langer, fester Blick‘) seit der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts.

(1) In der Sozialpsychologie meint gaze den intensiven Blick auf die Region der Augen des Gesprächspartners und gehört zu den Mitteln der nonverbalen Kommunikation. Er regelt u.a. den Sprecherwechsel (turn-taking) bei Unterhaltungen. Gegenseitiger Blickkontakt wird auch mutual gaze genannt.
(2) Das psychoanalytisches Konzept gaze als „aktiv-männlicher, kontrollierender und neugieriger Blick“ innerhalb einer feministisch ausgerichteten Filmtheorie geht auf einen Vortrag Laura Mulveys in französischer Sprache aus dem Jahre 1973 zurück, der zuerst 1975 auf Englisch erschien und seitdem in einer Vielzahl von Nachdrucken und Übersetzungen zugänglich ist. In diesem Text beschäftigt sich die Autorin unter Rückgriff auf Freuds Sexualtheorie mit der bei Männern und Frauen unterschiedlich zu definierenden Lust am Schauen (Skopophilie) „in der konventionellen Kinosituation“ und ihren Beziehungen zum Sexualtrieb sowie zur Ich-Libido. Dabei definiert sie den unterschiedlichen Blick von Mann und Frau wie folgt: „In einer Welt, die von sexueller Ungleichheit bestimmt ist, wird die Lust am Schauen in aktiv/männlich und passiv/weiblich geteilt. Der bestimmende männlich Blick [= gaze] projiziert seine Phantasie auf die weibliche Gestalt, die dementsprechend geformt wird. In der Frauen zugeschriebenen exhibitionistischen Rolle werden sie gleichzeitig angesehen und zur Schau gestellt, ihre Erscheinung ist auf starke visuelle und erotische Ausstrahlung zugeschnitten, man könnte sagen, sie konnotieren ‚Angesehen-werden-Wollen‘.“ Diese These versucht Mulvey an der Struktur klassischer Hollywood-Filme zu belegen. Ihr Artikel hat bis heute eine Vielzahl von Büchern und Aufsätzen zum Thema gaze inspiriert. 

Literatur: Mulvey, Laura: Visual pleasure and narrative cinema. In: Screen 16,3, 1975, S. 6-18 [mehrfach nachgedruckt, zuletzt in: The feminism and visual culture reader. Ed. by Amelia Jones, London: Routledge 2003, S. 44-52]; dt.: Visuelle Lust und narratives Kino. In: Texte zur Theorie des Films. Hrsg. v. Franz-Josef Albersmeier. Stuttgart: Reclam, 4. Aufl. 2001, S. 389-408 [u.a].
 

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