Metainformationen zur Seite

Gefängnisfilm

Der Gefängnisfilm bildete sich als Subgenre des klassischen Gangsterfilms zu Beginn der 1930er Jahre heraus. Der Gefängnisfilm ist letztlich ein Gangsterfilm, der seinen Haupthandlungsschauplatz in die Haftanstalt verlegt hat und dort entweder von der Läuterung des Gangsters, von dem Schicksal eines zu Unrecht Verurteilten oder einem Gefängnisaufstand erzählt. Gerade der amerikanische Gefängnisfilm nimmt oft durch die Bloßstellung inhumaner Haftbedingungen eine subversiv gesellschaftskritische Position ein (wie I Am a Fugitive from a Chain Gang, USA 1932, Mervyn LeRoy): Das Gefängnis wird hier zum offenen Widerspruch der liberalen Gesellschaft. Zahlreiche Gefängnisfilme wurden in real existierenden Gefängnissen gedreht, etwa 20.000 Years in Sing Sing (USA 1933, Michael Curtiz) oder Birdman of Alcatraz (USA 1962, John Frankenheimer). In beiden Filmen geht es um die zusätzliche Brutalisierung des Individuums unter dem psychologischen Streß der Haftsituation – das Gefängnis produziert den Gangster immer neu.
Auch das Thema des Gefangenenaufstandes lässt sich bis in die 1930er Jahre zurückverfolgen (Mutiny in the Big House, USA 1939, William Nigh). Riot in Cell Block Eleven (USA 1954, Don Siegel) ist ein im harten Reportagestil gefilmtes Soziodrama. John Frankenheimer konnte 1993 an diese Tradition des semidokumentarischen Gefängnisfilms noch einmal mit Against the Wall anschließen. Gerade der Ausbruchsfilm hat oft einen unschuldig Verurteilten als Protagonisten, um dem Zuschauer die Identifikation zu erleichtern (Le Trou, Frankreich 1960, Jacques Becker;  Cool Hand Luke (USA 1966, Stuart Rosenberg; Escape from Alcatraz (USA 1979, Don Siegel).
Vor allem seit den 1970er Jahren werden auch immer wieder Gefängnisfilme produziert, die sich nicht dem Gangsterfilm zuordnen lassen. Nach dem autobiografischen Roman von Henri Charrière drehte Franklin J. Schaffner etwa den äußerst erfolgreichen Abenteuer- und Fluchtfilm Papillon (USA 1973), in dem Dustin Hoffman und Steve McQueen Häftlinge der berüchtigten Gefängnisinsel Cayenne in Französisch-Guayana spielen. Auch in den düsteren Visionen des dystopischen Science-Fiction Films wurde die Gefängnis-Thematik als Inbegriff posthistorischer Gesellschaftsverhältnisse bearbeitet (wie etwa in John Carpenters Escape from New York, USA 1981, in dem ganz Manhattan zu einem Gefängnis geworden ist, in dem sich ganz eigene Sozialstrukturen entwickelt haben).
Schließlich sei der Exploitationfilm erwähnt: Hier sind es vor allem die Frauengefängnisse, die als Schauplatz von Demütigung und Folter der Häftlingsfrauen dienen. Die women-in-prison movies (WIP movies) bilden seit langem einen eigenen kleinen Motivkreis (Caged Heat, USA 1974, Jonathan Demme; The Big Doll House, USA 1971, Jack Hill.

Bibliographie: Medienwissenschaft / Hamburg: Berichte und Papiere, 106, 2010: Gefängnisfilm, URL: http://www1.uni-hamburg.de/Medien/berichte/arbeiten/0106_10.html

Referenzen