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Gehirnwäsche

aus dem Engl. übertragen (brainwashing)

Der Begriff „Gehirnwäsche“ ist eine Metapher für die psychologische Manipulation von Menschen für politische Zwecke. Sie war erstmals 1950, zu Beginn des Koreakriegs, in einem Artikel des CIA-affiliierten Journalisten Edward Hunter erwähnt worden. Hunter hatte den im Chinesischen nicht politisch konnotierten Ausdruck xī năo, wörtlich ins Englische übersetzt. Vor allem das ein Jahr später erschienene Buch Hunters sollte den propagandistischen Terminus zu einem geflügelten Wort des Kalten Kriegs machen. Heute gilt „Gehirnwäsche“ im engeren Sinne als veraltetes Konzept psychologischer Konditionierung, deren Wirksamkeit letztlich kaum über die klassischen, auf die mittelalterliche Inquisition zurückgehenden Folter- und Befragungsmethoden hinausgeht.
Dies verhinderte jedoch nicht den Erfolg des Ausdrucks in der Populärkultur und einen – vor allem in den 1970ern und 1980ern – alltagssprachlich mitunter inflationären, linkspopulistischen Gebrauch, um jegliche Form instrumenteller und teils unbewusster Beeinflussung, etwa in der Werbung für Konsumgüter oder politische Parteien, zu denunzieren. Im Kino fand das Motiv einerseits im Politthriller und politischen Film, andrerseits in der Science Fiction breite, bis heute anhaltende Resonanz. Zu den besonders erwähnenswerten Beispielen zählen u.a. die Adaptionen von George Orwells futuristischer Totalitarismuskritik 1984 (Michael Anderson, Großbritannien 1956; Michael Radford, GB 1984); John Frankenheimers satirischer Polit- und Attentatsthriller The Manchurian Candidate (USA 1962) und dessen gleichnamiges, auf die Administration George W. Bushs anspielendes Remake von Jonathan Demme (USA 2004); der Spionagethriller The Ipcress File (Großbritannien 1965, Sidney J. Furie); sowie das staatliche Willkür sezierende und auf die stalinistischen Schauprozesse zielende politische Drama L’aveu von Costa-Gavras (Frankreich/Italien 1970). 

Literatur: Seed, David: Brainwashing. The Fictions of Mind Control. A Study of Novels and Films since World War II. Kent/London: Kent State University Press 2004. – Marks, John: The Search for the “Manchurian Candidate”. New York/London: Norton 1991. Zuerst 1979.