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General Post Office Film Unit (GPO Film Unit)

Nach der Auflösung des Empire Marketing Film Unit wurde John Grierson und seine Equipe junger Regisseure auf Einladung von Sir Stephen Tallents vom General Post Office des Vereinigten Königreichs eingestellt. Dort entstanden in den 1930er und 1940er Jahren viele der wichtigsten Dokumentarfilme des „British documentary movement“, u.a. Song of Ceylon (1934, Basil Wright), Night Mail (1936, Harrry Watt), Coalface (1936, Alberto Cavalcanti) und Colour Box (1935, Len Lye). Nachdem Grierson im Juni 1937 die GPO verlassen hatte, wurde Alberto Cavalcanti mit J.B.Holmes Leiter der GPO Film Unit. 1940 ging sie in die Crown Film Unit ein, als die britische Regierung sich entschied, alle Filmpropaganda-Initiativen für den Krieg zu bündeln. Wichtigster Regisseur der zweiten Phase wurde Humphrey Jennings, der mit Spare Time (1939) und London Can Take It (1940) neue Maßstäbe setzte. 

Die General Post Office Film Unit (GPO Film Unit) ging 1933 aus der von John Grierson, dem Vater der britischen Dokumentarfilmbewegung, 1927 mitgegründeten Empire Marketing Board Film Unit (EMB) hervor. Grierson, stets an sozialen und politischen Themen interessiert, wurde Vorstand der neuen Abteilung des britischen General Post Office und ermöglichte, nun mit den Mitteln des neuen Tonfilms, seinen mitarbeitenden Regisseuren (u.a. Alberto Cavalcanti, Humphrey Jennings, Basil Wright, Harry Watt, dem späteren Chef von British Transport Films Edgar Anstey, Arthur Elton und John Taylor, der für Wild Wings 1966 einen Oscar bekommen sollte), neben industriefilmischen Arbeiten zum Postwesen im engeren Sinne (postalische Arbeitsabläufe, Reisefilme, Imagewerbung, Ausbildungsfilme) immer auch ganz andere Arbeitswelten und die sozialen Verhältnisse im Großbritannien der 1930er Jahre kritisch zu begleiten. So entstanden Filme wie Song of Ceylon (1934, Basil Wright), Housing Problems (1935, Arthur Elton & Edgar Anstey, über Slumsanierung), Workers and Jobs (1935, im Auftrag des Informationsministeriums, zeigt Arbeitslose in der Popular Labour Exchange in London), Coal Face (1935, Alberto Cavalcanti, über das harte Leben der Zechenarbeiter). Aber auch so bedeutende Experimental- und Animationsfilmer wie Norman McLaren und Len Lye (z.B. Colour Box, 1935) bekamen unter Grierson Raum zur Entfaltung ihrer Möglichkeiten bis hin zur Herstellung von Cartoons. Eine der bekanntesten Produktionen der GPO Film Unit ist Night Mail (1936, Harry Watt & Basil Wright). Der experimentell angelegte Film zeigt die Arbeitsabläufe auf dem nächtlichen Postzug von London nach Schottland. W.H. Auden arbeitete am Drehbuch mit und Benjamin Britten schrieb die Musik, Grierson selbst sprach Kommentare.
Nachdem Grierson im Juni 1937 die GPO verlassen hatte, wurde Alberto Cavalcanti mit J.B. Holmes Leiter der GPO Film Unit. 1940 ging sie in die Crown Film Unit (1940-52) ein, als die britische Regierung sich entschied, alle Filmpropaganda-Initiativen für den Krieg zu bündeln. Wichtigster Regisseur der zweiten Phase wurde Humphrey Jennings, der mit Spare Time (1939) und London Can Take It (1940) neue Maßstäbe setzte. 

Literatur: Barsam, Richard M.: Nonfiction film: a critical history. Rev. and expanded ed., Bloomington: Indiana University Press 1992, S. 77-111. – Orbanz, Eva: Eine Reise in die Legende und zurück. Der realistische Film in Grossbritannien. Berlin: Spiess 1977. – Tsirigos, Emmanuel: The General Post Office Film Unit. University of Berkeley Library, Medie Resources Center (MRC) http://www.lib.berkeley.edu/MRC/gpo.html
 

Referenzen