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Genrekompetenz

Vor allem in der Medienpädagogik gebräuchliche Bezeichnung für die Fähigkeit (meist: von Kindern und Jugendlichen), mediale Angebote als genreabhängig zu erfassen. Genrekompetenz umfaßt die Fähigkeit, Handlungsmuster zu erkennen (und aktiv zu nutzen, sei es bei der Hypothesenbildung der Rezeption, sei es in eigener Geschichtenproduktion), mit den Repräsentationsmodalitäten von Genres
und der genrespezifischen Bedeutung mancher Handlungen umgehen zu können, die Figuren und die ihnen im Text zugeschriebenen Motivationen erkennen, die Realität-Fiktion-Unterscheidung beherrschen etc. Genrekompetenz erweist sich als stabiler Bezugsrahmen der Interpretation, wird meist automatisiert und unbewusst im Verstehen realisiert, seltener in eigener Textproduktion. Es ist Aufgabe der Medienerziehung, diese Vertrautheit, die selbst nicht nur ein Alters-, sondern auch ein Indikator der Milieuzugehörigkeit ist, ihrerseits zu thematisieren und zu problematisieren, vor allem die Realitäts- und Wertewelten-Entwürfe fiktionaler und faktualer Gattungen zu intellektualisieren (letzteres vor allem die Reality-Formate des Fernsehens). Genrekompetenz wird oft als Subform einer allgemeineren Medienkompetenz angesehen und involviert in seiner medienpädagogisch anstrebenswerten Form einen verantwortlichen (also auch: kritischen) Umgang mit Genre-Konventionen, die Fähigkeit, vor allem Wertehorizonte des Dargestellten zu erfassen sowie eine Einschätzung der Wirkpotentiale genrifizierter Texte.

Literatur: Groeben, Norbert / Hurrelmann, Bettina (Hrsg.): Lesekompetenz. Bedingungen, Dimensionen, Funktionen. Weinheim [...]: Juventa 2002 (Lesesozialisation und Medien.).