Metainformationen zur Seite

Geste

Die menschliche Gestik (bzw. die Gestik von Schauspielern) bringt innerhalb der filmischen Abbildung eine signifikante Qualität hervor, da sowohl ihr Bewegungsrhythmus als auch ihre Stellung innerhalb der Rahmung im Filmbild medienspezifische Bedeutung bekommen. Vor allem Béla Balázs hat innerhalb seiner filmtheoretischen Schrift Der sichtbare Mensch auf die filmischen Eigenschaften des Gestischen und des Körperbildes hingewiesen. Für ihn birgt der Film durch die fotografische Repräsentation die Möglichkeit, das körperliche und gestische Ausdrucksspektrum direkt (und ohne Notwendigkeit von Worten) in den Mittelpunkt der Darstellung bzw. der Erzählung zu stellen. Der hinweisende und blickführende Charakter einer Geste wird demnach durch die Filmbildrahmung und die Einstellungskomposition auf erster Ebene und durch die Montageanschlüsse auf zweiter Ebene in das Bezugssystem filmischer Erzählung eingesetzt. Gesten sind im Film somit nicht mehr nur personenbezogen, sondern lenken als dynamische Kompositionsfaktoren innerhalb der Einstellung und der Montage den Blick des Betrachters. Die deiktische Qualität von Gesten (und Blicken) wird somit medienspezifisch genutzt und kann sowohl innerhalb der Bildrahmung als auch über die Montagekonjunktion hinweg als präzises Verweismittel des Erzählens verwendet werden. Da Gesten somit in den gesamten Filmrhythmus einbezogen werden, können z.B. auch Kamerabewegungen als Verlängerungen von Figurengesten gestaltet sein.

Literatur: Balázs, Béla: Der sichtbare Mensch. Frankfurt: Suhrkamp 2001. Zuerst 1924.

Filme: The Unchanging Sea (1910, D.W. Griffith); The Cameraman (1928, Edward Sedgwick / Buster Keaton); Simple Men (1992, Hal Hartley).
 

Referenzen