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Gewaltdarstellung: Phänomenologie

Gewalt, zumal physische Gewalt, ist seit den Anfängen des Kinos ein integraler, nicht wegzudenkender Aspekt des Films. Ganze Genres, wie etwa der Western, der Kriminalfilm – mit seinen subgenerischen Spielarten von Detektiv- und Polizeifilm, Gangsterfilm, Film Noir, Heist, etc. –, der Actionfilm, der Thriller oder auch der Horrorfilm, sind letztlich unvorstellbar ohne zumindest minimale Elemente körperlicher Gewalt. Ins Komische gewendet, ist sie auch in der Slapstick-Komödie zu finden, deren Name diesbezüglich für sich spricht. Darüber hinaus ist sie dem Medium an sich, dessen Ursprünge im Jahrmarkt mit seinen sensationellen Schaubudeneffekten zu verorten sind – Stichwort: Kino der Attraktionen (Tom Gunning) –, geradezu strukturell eingeschrieben: als extremster Ausdruck von Bewegung, Geschwindigkeit und Veränderung ist die Physik der Gewalt dem Bewegungsbild (Gilles Deleuze) als solchem letztlich inhärent und operiert gerade auch als Spektakel, als publikumswirksamer Schau- und Produktionswert. Dramaturgisch ergibt sie sich nicht zuletzt aus dramatischem, konflikthaften Erzählen, aus der manichäischen Gegenüberstellung von Gut und Böse, von Held und Bösewicht, wobei vor allem das amerikanische Kino in seiner Insistenz auf der konfrontativen Handlungsmächtigkeit zielorientierter Figuren der interpersonellen Gewalt zugeneigt ist. Strukturelle Gewalt (Diskriminierung, ungleiche Verteilung von Einkommen, Bildungschancen und Lebenserwartungen u.ä.) als handlungsorientierender Erfahrungsfaktor ist dagegen im Kino äußerst selten inszeniert worden.

Literatur: Prince, Stephen (ed.): Screening Violence. New Brunswick, N.J.: Rutgers University Press 2000. – Sharrett, Christopher (Hg.): Mythologies of Violence in Postmodern Media. Detroit: Wayne State University Press 1999. – Wulff, Hans J.: Die Erzählung der Gewalt. Untersuchungen zu den Konventionen der Darstellung gewalttätiger Interaktion. Münster: MAkS Publikationen 1985. 2. Aufl. 1990.