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Gewaltdarstellung: Zensur

Der Realismuseffekt des Films hat dabei immer wieder Anlass gegeben zur öffentlichen Kritik an Gewaltdarstellungen und zu Versuchen, diese durch Zensurmaßnahmen zu unterbinden. In den frühen 1930ern etwa war für religiöse Kreise in den USA Hollywoods Gangsterfilm-Zyklus (darunter Mervyn LeRoys Little Caesar, 1930, und Howard Hawks‘ Scarface, 1932) mitunter Stein des Anstoßes. Der 1934 verschärfte, bis 1966 mehr oder weniger wirksame Hays-Code erfolgte auch als Reaktion auf die Vorwürfe amoralischer Gewaltverherrlichung. Die Aufhebung des Production Code zu Beginn des New Hollywood erlaubte neue Formen der Gewaltinszenierung, wie etwa mit den explodierenden Kugeleinschlägen und Zeitlupeneffekten in Arthur Penns Bonnie and Clyde (1967) oder Sam Peckinpahs The Wild Bunch (1969); allerdings finden sich auch in der Phase des Hays Code einzelne erstaunlich brutale Darstellungen „exzessiver“ Gewalt, wie etwa in Fritz Langs Spionage-Thriller Cloak and Dagger (1946).

Literatur: Prince, Stephen: Classical Film Violence. Designing and Regulating Brutality in Hollywood Cinema, 1930–1968. New Brunswick, N.J.: Rutgers University Press 2003. – Slocum, J. David (Hg.): Violence and American Cinema. New York [etc.]: Routledge 2001.