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Gigantismus

Gigantismus ist eines der wesentlichen Motive des phantastischen Films: Riesen, alle möglichen Arten von Fabelwesen sowie Saurier, fleischgewordene Nachtmahre pueriler Alpträume; Monstren und Ungeheuer, die durch die Mythen, Sagen und Märchen der Völker geistern. Im SF-Kino stehen Riesengeschöpfe meist für eine archaische Vergangenheit – ein Rest Urzeit in einer rationalistisch eingerichteten Welt. Das Kino bevorzugt zwei Varianten des Themas: (1) Forscher entdecken eine versunkene Welt mit prähistorischem Leben; manchmal wird ein Riesentier aus der Urzeit gefangen und beginnt einen Amoklauf, der meist mit seinem Tod endet; (2) wissenschaftliche Experimente oder Atombombenversuche verursachen bei Mensch und Tier einen riesenhaften Wachstumsprozess. Zwar treten riesenwüchsige Geschöpfe schon in der Frühzeit des Kinos auf (etwa ein Schneemensch in Georges Méliès‘ À la Conquête du Pôle, 1912, oder man denke an den Steinzeitfilm Brute Force, 1914, David W. Griffith), doch etablierte erst Arthur-Canon-Doyle-Verfilmung The Lost World (1925, Harry O. Hoyt) das Motiv im Genrekino. Filme wie der Expeditionsfilm King Kong (1933), der Steinzeitstreifen One Million, B.C. (1939, Remake: One Million Years, B.C., 1966), der Atomversuchssaurier („Rhedosaurier“) in dem billigen, aber höchst erfolgreichen The Beast from 20.000 Fathoms (1953) leiteten die Zeit der amerikanischen und japanischen Monsterfilme in den 1950ern und 1960ern ein – das Motiv spielt in allen anderen nationalen Kinematographien außer England keine nennenswerte Rolle. Allerdings treten Riesengeschöpfe immer wieder in Nebenrollen auf, fast immer den phantastischen Wert der Geschichte unterstreichend – z.B. als Drachen in Filmen wie Nibelungen (1924, Fritz Lang) oder Die Unendliche Geschichte (1984, Wolfgang Petersen).

Literatur: Giesen, Rolf: Gigantismus. In seinem: Lexikon des phantastischen Films. 1. Horror – Science Fiction – Fantasy. Frankfurt/Berlin/Wien: Ullstein 1984, S. 249-262.

Referenzen