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Golem

In Psalm 139 heißt es: „Deine Augen sahen mich, als ich noch ‚golem‘ (unbereitet) war“. Aus diesem später dem noch unbeseelten Adam zugesprochenen Namen entwickelte sich die kabbalistische Sage von einem Kunstmenschen, der durch Zauber zum Leben erweckt wird. Diese wurde später mit dem Prager „Rabbi Löw“ verbunden, der einen aus Lehm geformten Hünen zur Rettung der Juden erschaffen haben soll. Zahlreiche literarische Bearbeitungen folgen, herausragend der Roman von Gustav Meyrink (1916). – Die wichtigste Kinoadaption ist der Stummfilm Der Golem, wie er in die Welt kam (1920) von Carl Boese und Paul Wegener, der den Stoff zuvor schon zweimal behandelte. Auch Julien Duvivier (Le Golem, 1936) und Martin Fric (Cisaruv pekar, 1951) verarbeiten die historische Legende, letzterer allerdings als Groteske. Ansonsten erscheint der Golem, außer gelegentlich im Horrorfilm (It, Herbert J. Leder 1966) selten als reale Figur. Bei Amos Gitaï (Golem, l'esprit d'exil, 1991) und Aner Preminger (Golem Ba'Maagal, 1993) wird der Name nur noch als politische Allegorie verwendet. Im Science-Fiction-Film fungiert er als Synonym für Roboter (Slecna Golem, Jaroslav Balík 1972 – hier ist der Golem eine Frau!) oder Homunculi (Miami Golem, Martin Herbert 1986). Dem ursprünglichen Sagenmotiv verpflichtet sind zwei neuere Produktionen: Die Episode Kaddish (Kim Manners 1997) der TV-Serie The X-Files und das 2000 von Paul Wegeners Nachfahre Scott Wegener präsentierte Fernsehremake des Klassikers.

Literatur: Pertsch, Dietmar: Jüdische Lebenswelten in Spielfilmen und Fernsehspielen: Filme zur Geschichte der Juden von ihren Anfängen bis zur Emanzipation 1871. Tübingen: Niemeyer 1992.