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Großfilm

(1) Schon in den frühen 1910er Jahren sprach man in der Werbung und in der Kritik von Großfilmen, wenn sie sich hinsichtlich Kostenaufwand, Ausstattung, Breite der Erzählung, Anzahl der Stars etc. gegen die normalen Filmproduktionen absetzten. War es auf der Werbungsseite die Einladung, hohe Produktionswerte zu besichtigen (was als eigene Attraktion galt), wurde der Begriff auf der Seite der Kritik schon damals mit höhnischen Untertönen verwendet (ähnlich Wendungen wie „Groß-Kotz“). Filme wie Danton (1921, Dimitri Buchowetzki), Das deutsche Lied (1928, Karl Pindl), Die Czardasfürstin (1934, Georg Jacobi) oder Fritz Langs Der müde Tod (1921), Dr. Mabuse, der Spieler – Ein Bild der Zeit (1922) sowie der Zweiteiler Die Nibelungen (1924) galten als Großfilme – und schon damals wurde diskutiert, ob man mit derartigen Produktionen den gleichzeitig entstandenen amerikanischen Monumentalfilmen am Markt Paroli bieten könne. Als Werbeterminus hielt sich die Bezeichnung bis in die 1960er (Der Schinderhannes, 1958, Helmut Käutner, wurde etwa vom Verleih als „deutscher Großfilm mit 83 Rollen und 4.000 Komparsen“ ausgewiesen; Rose Bernd, 1957, Wolfgang Staudte, galt als „internationaler Großfilm“; die Karl-May-Filme der 1960er wurden als Großfilme vermarktet; etc.), verschwindet dann als Werbeterminus. In der Kritik ist der Begriff in den 1950ern und 1960ern eindeutig negativ besetzt, Kategorien der Ausstattung gegen solche von Inhalt ausspielend.
(2) Mit dem Voranschreiten der politischen und wirtschaftlichen Integration Europas wurde in der europäischen Filmindustrie seit Ende der 1980er auch das Modell der europäischen Großproduktion verfolgt. Als Gegengewicht gegen den amerikanischen Blockbuster sollten hochbudgetierte und massenattraktive Spielfilme aus Europa das weltweite Publikum wieder in hiesige Produktionen locken. Die Novellierung des deutschen Filmförderungsgesetzes von 1986 stellte die Forderung nach Großproduktionen (und die Abwehr des bis dahin in der Filmförderung zentralen Autorenfilms) ins Zentrum. Der Name der Rose (BRD/Frankreich/Italien 1986, Jean-Jacques Annaud) gilt als einer der ersten neuen Großfilme nach diesem Muster.

Literatur: Loskant, Alexander: Der neue europäische Großfilm. Ökonomie und Ästhetik europäischer Kinogroßproduktionen der 90er Jahre. Frankfurt [...]: Peter Lang 2005.

Referenzen