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Gyroskop

engl. gyroscope

Aus der Physik ist bekannt, dass schnell rotierende Kreisel ihre Drehachse immer stabil zu halten versuchen. Wirkt auf einen Kreisel eine Kraft senkrecht zur Rotationsachse, versucht der Kreisel wiederum dazu senkrecht auszuweichen. Das ist der Grund dafür, dass der rotierende Kreisel nicht vom Ständer oder von der Schnur herunterfällt, sondern eine sogenannte Präzession ausführt. Ein Gyroskop ist im Grunde ein Kreisel, der diese Eigenschaft des Kreisels in andere Geräte einbringt und so dabei mithilft, diese in ihrer Raumlage zu stabilisieren. Das erste Gyroskop entstand wohl 1817 und wird Johann Gottlieb Friedrich von Bohnenberger zugeschrieben. Der Begriff selbst wurde 1852 von Léon Foucault als Bezeichnung für Instrumente zur Beobachtung von Drehungen eingeführt.
Eine der bekanntesten Anwendungen ist der Kreiselkompass, der das Modell für eine Herrichtung einer Kreiselsteuerung darstellte, die zur Stabilisierung der Lage und des Laufs von Torpedos diente und die ihrerseits im ersten Weltkrieg als Vorbild und Muster eines oft „Gyroscope“ genannten Stativs war, das es der Kamera ermöglichte, automatisch horizontale Stabilität einzustellen. Heute werden Gyroskope (resp. schnellrotierende Kreisel) im Film zur Stabilisierung von Hand- und Bewegtkameraaufnahmen eingesetzt; in Arachnophobia (1990) gab es z.B. einen eigenen gyroscope operator, der zum Kamerateam gehörte und besonders ruckel- und wackelfreie Aufnahmen ermöglichte. Entgegen einer ganzen Reihe anderer Behauptungen enthält die Steadicam keine Gyroskope. 

Literatur: Broelmann, Jost: Die Entstehung des Kreiselkompasses als Navigationshilfe für militärische und zivile Nutzung. In: Militär und Technik. Wechselbeziehungen zu Staat, Gesellschaft und Industrie im 19. und 20. Jahrhundert. Hrsg. v. Roland G. Foerster u. Heinrich Walle. Herford/Bonn: Mittler 1992, S. 219-243 (Vorträge zur Militärgeschichte. 14.).
 

Referenzen