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Idylle

auch: Idyll; von griech.: eidyllion = Bildchen

Zunächst als literarische Form, in der in schlichter Sprache ein einfaches, friedvolles und naturnahes Leben beschrieben wird. Idyllen sind Enklaven in einer Realität, die dagegen viel bedrohlicher wirkt, die die Menschen von einem eigentlichen Ur-Zustand entfremdet. Darum auch ist die Rezeption von Idyllen oft mit Melancholie durchsetzt. Die moralische und soziale Harmlosigkeit der Akteure, aber auch das Abwesend-Sein jeder Art von Intrige und Intellektualität lassen Idyllen schnell als irreal erscheinen, als radikal vereinfachte Wunschbilder der Wirklichkeit.
Im Film hat es von Beginn an Idyllen gegeben. Als pazifistische Antigesellschaft ist ein imaginäres Gemeinwesen in Frank Capras Lost Horizon (1937) konzipiert, das in einem Himalaya-Tal sich angesiedelt hat. Manche Idyllen sind von der Frühzeit an ironisch gebrochen (wie Charlie Chaplins Modern Times, 1936) oder auch offene Satiren (wie W.C. Fields‘ It‘s a Gift, 1934, in dem sich Fields in eine Rolle als kalifornischer Orangen-Farmer träumt). Gerade neuere Filme betreiben die Gegenüberstellung von idyllischer und nichtidyllischer Realität als ein Programm, mit dem das urbane Leben der westlichen Zivilisationen kritisiert wird. Ein Beispiel ist Peter Weirs Witness (1985), in dem Harrison Ford einen Kommissar spielt, der einen Zeugen bei den Amischen – einer religiösen Gruppe, die jede Art von Fortschritt ablehnt und unter technischen und sozialen Bedingungen des 18. Jahrhunderts lebt – zu schützen versucht; er lernt die Lebensweise seiner Gastgeber zu respektieren und schätzen, nachdem er sie zunächst als absonderlich empfunden hatte. Ein anderer Fall ist Edward Zwicks The Last Samurai (2003), der von einem Europäer erzählt, der in einem weltabgeschiedenen Dorf in den japanischen Bergen in die Samurai-Kultur eingeführt wird und der am Ende zu einem der ihren wird.