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Illusionstheorie des Bildes

Der illusionistischen Bildtheorie zufolge zeichnet sich ein Bild dadurch aus, dass es die Illusion der Anwesenheit eines nur dargestellten Gegenstandes erweckt. Wird dieser Anspruch als eine notwendige Bedingung des Bildseins (bzw. der Abbildungsbeziehung) formuliert, dann wäre ein Gegenstand nur dann ein Bild (bzw. nur dann das Bild eines bestimmten Objekts), wenn es im Betrachter den irrtümlichen Eindruck erzeugt, dass er nicht ein Bild, sondern den dargestellten Gegenstand selbst anschaut. Da eine derart übertrieben formulierte Theorie höchstens auf die Trompe-l’œil-Malerei zutrifft, wird sie nicht ernsthaft verteidigt. Sicherlich hat sie Ernst Gombrich (1960), der zuweilen als ihr prominentester Vertreter gilt, lediglich in sehr abgeschwächten Form intendiert, nach der die Bildwahrnehmung auf Prozessen beruht, die der Gegenstandswahrnehmung vergleichbar sind. Der Illusionscharakter bezieht sich danach (vor allem) auf den Eindruck einer imaginären Räumlichkeit, die den Bildstatus aber keineswegs fraglich werden lässt.
Filmtheoretisch wird der Illusionsbegriff auch zur Beschreibung des subjektiven Eindrucks von Bewegung im Filmerleben verwendet, die insofern illusionär ist, als sie sich aus einer schnellen Abfolge der Einzelbilder nur in Folge der Trägheit unseres Wahrnehmungsapparats ergibt. Irrtümlich wird dieses Phänomen zuweilen als Argument gegen die Position des filmischen Realismus (oder gegen die Möglichkeit von Dokumentarfilmen) genutzt.

Literatur: Gombrich, Ernst H.: Art and Illusion. A study in the psychology of pictorial representation. Princeton: Princeton University Press 1960. Dt.: Kunst und Illusion. Zur Psychologie der bildlichen Darstellung. Stuttgart/Zürich: Belser 1978. Neuausg. 1992. – Lopes, Dominic: Understanding Pictures. Oxford: Clarendon Press 1996, S. 37-51.