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Inattentional blindness

In der visuellen Wahrnehmungspsychologie bezeichnen die beiden sachlich miteinander verknüpften Konzepte change blindness / inattentional blindness Leistungseinschränkungen des menschlichen visuellen Systems, die durch Störungen, Ablenkungen oder Fehlen der Aufmerksamkeit hervorgerufen werden.
Inattentional blindness (dt. soviel wie ‚Objektblindheit bei Unaufmerksamkeit oder Unachtsamkeit‘) nennt man ein neueres Forschungsparadigma in der visuellen Wahrnehmungspsychologie, das sich mit dem Zusammenhang zwischen Aufmerksamkeit (attention) und Wahrnehmung (perception) beschäftigt. Der Mensch sieht mehr, als er bewusst wahrnimmt und tatsächlich weiß (und überhaupt wissen kann). Über viele Dinge und ihre Zusammenhänge wissen wir nichts, da wir ihnen keine Aufmerksamkeit zukommen lassen, weil diese anderweitig – etwa durch Distraktoren – abgelenkt ist, ausgeblendet oder gar nicht erst aktiviert wird, weil die Dinge und Ereignisse im Blickfeld ungewöhnlich sind oder von uns nicht erwartet und daher vom visuellen Wahrnehmungssystem schlicht ignoriert werden. Welche Rolle das menschliche Gedächtnis und Vergessen bzw. Erinnern bei derartigen Wahrnehmungsphänomen spielen, ist zurzeit Gegenstand intensiver Forschung. Auch die Filmpsychologie darf sich von der Klärung derartiger Fragen – etwa bei der experimentell überprüfbaren Feststellung, dass gewisse Ereignisse in Filmprotokollen immer wieder nicht berichtet werden – einigen Fortschritt erhoffen.

Literatur: Mack, Arien / Rock, Irvin: Inattentional blindness. Cambridge, Mass.: MIT Press 1998; Nachdr. 2000.

Referenzen