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Informationstheoretischer Film / informationsästhetischer Film

auch: statistischer Film, kybernetischer Film

Computerfilme, die seit den 1960er Jahren mit dem theoretischen Anspruch hergestellt werden, ästhetische Objekte als dynamische zeichentheoretische Strukturen (sog. Superzeichen) auf dem Wege ihrer Synthetisierung zu untersuchen. Die Informationstheorie liefert die mathematisch-statistischen Grundlagen der Kybernetik. Mit ihren Mitteln beschreibt die Informationsästhetik (zu nennen sind hier Max Bense, Abraham A. Moles und Wilhelm Meyer-Eppler) als eine semiotische Theorie Peircescher Prägung ästhetische Prozesse als Zeichen-, Informations- und Kommunikationsprozesse.
Der Computergrafiker und -filmer entwickelt (nach Frieder Nake) ein ästhetisches Programm, das einen Zeichenvorrat über eine Intuition mit einer Regelmenge verknüpft. Dieses Programm muss er in ein mathematisches Programm übersetzen, um es dann durch ein geeignetes Maschinenprogramm ausführen zu lassen. Die filmische Aufbereitung von Transformationen und Transitionen kann dann zu ästhetisch reizvollen Dynamisierungen führen: So können besondere räumliche Erfahrungen und Illusionen erzeugt werden (nutzbar gemacht u.a. in Filmen zur Ergonomie menschlicher Bewegungen) oder es können alltägliche Wahrnehmungen überhaupt gesteigert und überschritten werden. Dies macht sich insbesondere die moderne Computeranimation zunutze - man denke nur an die heutigen Möglichkeiten des Morphing. Der informationstheoretische Film spielt als eigenständige Gattung heutzutage eine nur noch marginale Rolle.

Literatur: Alsleben, Kurd: Informationstheorie und Ästhetik. In: Neue Anthropologie. Hrsg. v. Hans-Georg Gadamer, Paul Vogler. Bd. 4. München/Stuttgart 1973, S. 321-358. – Götz, Karl Otto: Vom abstrakten Film zur Elektronenmalerei. In: movens. Dokumente und Analysen zur Dichtung, bildenden Kunst, Musik, Architektur. Hrsg. v. Franz Mon. Wiesbaden: Limes 1960, S. 151-158. – Moles, Abraham Antoine: Kunst und Computer. Köln: DuMont 1973 [franz. Orig. 1971]. – Nees, Georg: text und lava. zur evolution des computerfilms. In: muster möglicher welten. eine anthologie für max bense. Hrsg. v. Elisabeth Walther, Ludwig Harig. Wiesbaden: Limes o. J. [1970], S. 132-138. – Nees, Georg: Formel, Farbe, Form: Computerästhetik für Medien und Design. Berlin/Heidelberg: Springer 1995.

Referenzen