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Italowestern: Heldenfiguren

Der Held muss im Italo-Western immer exotischer, außergewöhnlicher und brutaler werden, um noch akzeptabel zu sein, und er wird mehr und mehr zu seiner eigenen Parodie. Die Helden des Italo-Western sind aber keine feststehenden Figuren, sondern eher Chiffren, die sich aus bestimmten Verhaltensmustern, der Art der Darstellung und dem Charakteristikum ihres „Problems“ zusammensetzen. Bei Ringo/Gemma war es die eigentümliche Beziehung von Sanftheit und Freundlichkeit auf der einen, Gewalt und List auf der anderen Seite, bei Django/Nero sein sarkastischer Galgenhumor, bei dem von Eastwood verkörperten Kopfgeldjäger, dem „Mann ohne Namen“, die stoische, wortkarge Haltung und kühle Berechnung seiner Gegner. Diese Helden trugen die Absurdität, vielleicht auch Ironie und Distanz zu dem, was sie anrichten (müssen), immer mit sich herum. Die Einsamkeit der Figuren kennzeichnet die Welt des Italos, in der es bestenfalls Partnerschaft auf Zeit (wie in „Zwei glorreiche Halunken“ zwischen den Kopfgeldjägern Clint Eastwood und Eli Wallach), aber keine menschliche Solidarität gibt, in der jede Illusion, jedes Vertrauen auf jemand anderen als sich selbst über kurz oder lang zum eigenen Untergang führt.

Literatur: Frayling, Christopher: Spaghetti westerns. Cowboys and Europeans from Karl May to Sergio Leone. London: Tauris 1998.

Referenzen