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Jazz im Film / Jazzfilm

Der Jazzfilm ist zuallererst eine Kurzfilmform, in der es um die Dokumentation meist eines einzelnen Stücks geht. Daneben liegen eine lange Reihe von Dokumentarfilmen über einzelne Musiker, Orchester oder Konzerte vor. Wie umfangreich diese dokumentarische Gattung „Jazzfilm“ ist, kann nur geschätzt werden (in der Literatur wird einmal von über 4.000 Filmen gesprochen). Waren die 1930er und 1940er Jahre für die Kurzfilme und für die Dokumentationen die Hochphase, hat sich das Jazz-Biopic erst in den 1980ern herausgebildet (A Night In Havanna, 1988, John Holland, über Dizzy Gillespie; Ben Webster: The Brute and the Beautiful, 1989, John Jeremy; The Bird: Charlie Parker, 1990, Jan Horne; Bird Now, 1988, Marc Huraux; Thelonius Monk: Straight No Chaser, 1988, Charlotte Zwerin; Let's Get Lost, 1989, Bruce Weber, über Chet Baker).

Im Spielfilm wird Jazz im Wesentlichen in zwei Formen eingesetzt: als Soundtrack und als Inhalt des Films.

(1) Als Soundtrack ist improvisierte Musik mit der Produktionsweise eines Spielfilms schwer vereinbar, was deren seltene Verwendung erklären mag. Zu den bekanntesten Jazz-Soundtracks gehören Duke Ellingtons Anatomy of a Murder (1959), Miles Davis’ L’Ascenseur pour l‘échafaud (1957) und Charles Mingus’ Shadows (1959). Seit dem Tonfilm waren (Gast-)Auftritte bekannter Musiker wie Benny Goodman, Duke Ellington oder Louis Armstrong immer wieder in Filme eingestreut (man denke an Louis Armstrongs Nebenrolle in High Society, 1956). Daneben wurde Jazz immer wieder als atmosphärische Hintergrundmusik verwendet, sei es, um regionales oder soziales Lokalkolorit auszudrücken; in Filmen wie A Streetcar Named Desire (1951) oder The Man with the Golden Arm (1955) dient die Musik dazu, den rebellischen Lebensstil von Jugendlichen oder die zerrissene Welterfahrung von Drogenabhängigen akustisch zu artikulieren. Als Mittel, den psychischen Zustand des Helden oder die Widersprüchlichkeit der Handlungsrealität eines Films auszudrücken bildete Jazz die Alternative zum spätromantischen Stil der Hollywoodmusik, die lange vorherrschte.
(2) Wird Jazz als wesentlicher Inhalt des Films gesetzt, sind Biographien bekannter Jazzmusikern und -musikerinnen ein naheliegender Erzählstoff. In den 1950er Jahren wurden Biographien vornehmlich weißer Musiker wie Bix Beiderbecke (Young Man With a Horn, 1950), Benny Goodman (The Benny Goodman Story, 1955) und Glenn Miller (The Glenn Miller Story, 1953) zu Filmen gemacht. Afroamerikanische Jazzmusiker und -musikerinnen finden erst in den 1970ern Eingang in den Film. Biopics zu Billy Holiday (Lady Sings the Blues, 1972), Charlie Parker (Bird, 1988) und (verklausuliert) Dexter Gordon (Round Midnight, 1986) sind hier zu nennen, wobei diese Filme im Unterschied zu den Aufstiegsschilderungen weißer Musiker auf so typische Klischees wie Armut und Drogensucht nicht verzichten. Bei aller realen Grundlage für derartige Klischees ist doch darauf hinzuweisen, dass weiße und afro-amerikanische Musiker höchst unterschiedlich dargestellt werden.

(3) Neben Biopics haben einige Filme das Leben im Milieu der Jazz-Clubs thematisiert. Dazu rechnen Francis Ford Coppolas The Cotton Club (1984) über den legendären Harlemer Jazzclub oder Robert Altmans Kansas City (1996) über die Jazzkultur der 1930er, in einem durchaus doppeldeutigen „battle of saxes“ gipfelnd.

Literatur: Gabbard, Krin: Jammin' at the margins. Jazz and the American cinema. Chicago [...]: Chicago University Press 1996. – LaPolla, Franco (éd.): Jazz. Un siècle d'accords et désaccords avec le cinéma. Paris: Cahiers du Cinéma 2003. – Yanow, Scott: Jazz on Film: The Complete Story of the Musicians & Music Onscreen. San Francisco: Backbeat Books 2004.