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Jouissance

frz.: Genuss, Lusterfüllung, Wollust; engl. meist: feminine pleasure

Erstmals von Roland Barthes in die Literaturtheorie eingeführt, wurde das Konzept der jouissance in der Lacanianischen Psychoanalyse als Parallel- und Gegenbegriff zur plaisir (engl: pleasure) gefaßt. Während plaisir auf das psychische Bestreben, einen Gleichgewichtszustand (homeostasis) zu erreichen, zurückgeführt wird und sich z.B. darin äußert, dass Spannungszustände aufgelöst werden, bezeichnet jouissance einen unkontrollierten, präödipalen und präverbalen Zustand der Freude, der sich allein der Anwesenheit von „Bedeutung“ verdankt und vor allem leiblich vermittelt wird, dementsprechend als „unmittelbar“ und orgasmisch erlebt wird und sich der Rationalisierung ebenso sperrt wie der Verbalisierung. Nach Barthes ist jouissance eine Form des Vergnügens, die es ermöglicht, jeglicher Kultur zu entkommen. Vor allem in der feministischen Literatur- und Filmtheorie ist jouissance als spezifisch weibliche Rezeptionslust konzipiert worden.

Literatur: Fink, Bruce: The Lacanian Subject: Between Language and Jouissance. New Jearsey: Princeton University Press 1995. – Jane Gallop: Beyond the Jouissance Principle. In: Representations 7, 1984, S. 110-115. – Gutierrez, Maria Elena: Jouissance, Drugs, Fashion, and Chaos: The Postmodern Aesthetics of Almodovar. In: Constructions 7, 1992, S. 90-94.