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Kannibalenfilm

Um 1910 entstehen die ersten Kannibalenfilme (wie King of the Cannibal Island, USA 1908, oder Buster and the Cannibal’s Child, USA 1912), zunächst jedoch ohne die Darstellung kannibalistischer Szenen. Ab den 1970er Jahren wurden vor allem in Italien Kannibalenfilme produziert, die auf dem aus dem Zombiefilm entlehnten Menschenfresser-Motiv beruhen und eine der stabilsten Genretypologien aufweisen: Nahezu jeder Kannibalenfilm dieser Zeit erzählt eine Geschichte vom Konflikt zwischen Eingeborenen aus den Dschungeln der Dritten Welt (Neu Guinea, Amazonas, Afrika) und weißen Eindringlingen, die Opfer der Kannibalen werden. Eine – oft aber allgemeine und diffuse – „Schuld“ der Weißen als Ausbeuter oder grausame Zyniker wird dabei stets unterstrichen. Im Kannibalismus-Motiv verdrehen sich die kolonialistischen Rollen, intensivieren aber die Fremdheit zwischen Kolonisierten und Westeuropäern nur noch. Weitere Filme des Subgenres: Ruggero Deodatos Cannibal Holocaust (Italien 1980) und Inferno di diretta (Italien 1985), Umberto Lenzis Cannibal Ferox (Italien 1981) und Mangiati vivi (Italien 1981) sowie Marino Girolamis Zombi Holocaust(Italien 1980).

Literatur: Jackson, Neil: Cannibal Holocaust, realist horror and reflexivity. In: Post Script 21,3, 2002, S. 32-45. – Kilgour, Maggie: The function of cannibalism at the present time. In: Barker, Francis / Hulme, Peter / Iversen, Margaret (eds.): Cannibalism and the colonial world. Cambridge / New York: Cambridge University Press 1998, S. 238-59. – Liebl, Franz: Unbekannte Theorieobjekte der Trendforschung (XL). Betriebswirtschaftliche Dimensionen des Kannibalismus.


Referenzen