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Karrierestory

engl.: career story; auch: rise and fall, rise and fall story

Wenn Aufstieg und Fall einer Berufskarriere das dominante Erzählmuster in Spielfilmen ergeben, spricht man oft von Karrierestory. Zu den Kennzeichen gehören der zeitlich ausgedehnte Handlungsbogen sowie ein doppeltes Interesse: an der Hauptfigur ebenso wie am beruflichen Kontext. Charakterstudie und Informationen über einen gesellschaftlichen Bereich treffen so zusammen, wobei das dargestellte Berufssegment in sich bereits Faszination ausübt: meist sind die Karrieristen Künstlergestalten, Sportler, Gangster, Erfinder, Entdecker etc. Fast immer finden sich Verschränkungen von Karrierestory und Biopic; auch ist die Hauptfigur oft historisch verbürgt und berühmt.
Beispiele finden sich seit Beginn der Filmgeschichte. Alan Crosslands The Jazz Singer (USA 1927, Sequel 1953, Remake 1980) erzählt vom ungebremsten Aufstieg eines jüdischen Kantors zum Popstar; Rouben Mamoulians berühmter Farbfilm Blood and Sand (USA 1941; zuerst 1922, Remake 1989) handelt von einem Torero, der einer femme fatale verfällt; Stanley Kubricks Barry Lyndon (Großbritannien 1975) behandelt den Aufstieg eines verarmten irischen Landadligen in die Kaste der Lords und den finalen Abstieg in erneute Armut; Martin Scorseses Raging Bull (USA 1980) ist eine filmische Biographie von Jake La Motta, dem ehemaligen Boxweltmeisters im Mittelgewicht, der aus Armutsverhältnissen in „Little Italy“ in New York zu Weltruhm aufstieg und wieder in Anonymität zurückfiel; erinnert sei auch an Baz Luhrmanns Strictly Ballroom (Australien 1991), in dem ein junger Australier zum Sieger des Pan-Pacifischen-Tanzturniers wird. Sehr raffiniert kombiniert das Melodram A Star Is Born (USA 1954, George Cukor) das Gegenüber von Aufstieg und Fall in einer Doppelgeschichte - der Film schildert den Aufstieg eines Revuegirls zur gefeierten Sängerin, und gleichzeitig, wie in einer Umkehrung ihrer Karriere, wird ihr Mann vom Filmstar zum Nobody, zum Alkoholiker und am Ende gar zum Selbstmörder.
Im klassischen Hollywood wird die Karrierestory gern mit dem – ideologisch aufbereiteten – Mythos des Aufsteigers (from rags to riches) kombiniert. Erinnert sei darum an eine Unzahl von Filmen wie Citizen Kane (USA 1941, Orson Welles), die den Aufstieg (meist verbunden mit späterer Vereinsamung) von Firmengründern und Wirtschaftsführern kolportieren, George Stevens‘ Giant (USA 1956) über die Anfangs- und Hochphase einer texanischen Öl-Dynastie oder Martin Scorseses The Aviator (USA 2004) über den Aufstieg des amerikanischen Industrie-Tycoons Howard Hughes zum Filmproduzenten und Flugzeugindustriellen.