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Kassengift

engl. manchmal: box-office poison

„Kassengift“ ist ein höchst abfälliger bildlicher Ausdruck aus der Theaterbranche und bezieht sich auf Themen, Genres, Stile, Regisseure und Schauspieler, die nicht nur das Publikum nicht interessieren, sondern es sogar vertreiben. Regisseure wie Jean-Luc Godard, der einmal hohe Aufmerksamkeit des cineastischen Publikums genoss, gilt heute als problematisch, seine Filme erreichen kaum noch Publikum, und es wird zunehmend schwer, neue Filme im bekannten Umfang zu finanzieren. Das Urteil „Kassengift!“ ist insbesondere in der Planungsphase von Filmen von Bedeutung, sei es, um zu entscheiden, das Thema des Films tatsächlich anzugehen, sei es, dass die Besetzung erfolgsverhindernd erscheint. Manchmal werden ganze Genres wie die Fantasy für eine gewisse Zeit als höchst problematisch angesehen (was sich mit dem Erfolg von The Lord of the Rings, 2001-03, Peter Jackson, schlagartig änderte). Und auch Themen wie „Behinderung“ stehen unter dem Urteil, kein Publikum zu finden (wobei Rain Man, 1988, Barry Levinson, oder Forrest Gump, 1994, Robert Zemeckis, die grundsätzliche Geltung der Annahme lebendig widerlegen). Katherine Hepburn spielte zwischen 1935 und 1938 überwiegend in Flops; 1938 deklarierte die Theatre Owners Association sie zusammen mit Marlene Dietrich als box-office poison. Sie wurde daraufhin nicht für Gone with the Wind (1939) besetzt, wurde erst nach Philadelphia Story (1941) zu dem Star, der sie über Jahre blieb. Ein anderes Beispiel ist Ingrid Bergman, die nach ihrer Trennung von Ehemann und Tochter und der wilden Ehe mit Roberto Rossellini in einen Strudel von Anklagen geriet, beschimpft und geächtet wurde – und als Kassengift galt; die Hollywood-Studios weigerten sich, sie weiterhin zu besetzen.