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Keystone Mayhem

von dem mittelalterlichen englischen Substantiv maym = Verletzung, Verstümmelung; seit Mitte des 19. Jahrhunderts in der übertragenen Bedeutung „Gewalt, Schaden, Unordnung“

Neben den Keystone Kops und den Bathing Beauties gehört die Atmosphäre von totalem Chaos und völliger Konfusion, die mit dem Ausdruck Keystone Mayhem erfasst werden soll, zum Standardrepertoire der zahlreichen Slapstickkomödien, die der geniale Produzent, Regisseur und Schauspieler Mack Sennett zwischen 1912 und 1917 mit seiner Keystone Film Company herstellte. Sennett nutzte die körperliche Präsenz und die geschulten akrobatischen Fähigkeiten der Stummfilmclowns für lustvolle, manchmal anarchisch anmutende Zerstörungsorgien, die aus zufälligen, beiläufig-unschuldigen, gelegentlich auch absichtsvollen Handlungen bzw. Unterlassungen einer Filmfigur entstanden. Es wurde destabilisiert, demoliert und demontiert, was das Zeug hielt. Verwüstete Wohnungen, einstürzende Alt- und Neubauten waren die Folge, und wurden erst noch die Kops, die vertrottelte Polizeitruppe jener Filme, hinzugerufen, resultierte die Handlung in wüsten Verfolgungen, Straßenschlachten, Autorennen mit schrecklichem Ausgang, anderweitigen Verkehrsunfällen und diversen Unglücken.
Berühmte Schauspieler konnten sich dabei erproben. In der Keystone-Produktion Kid Auto Races at Venice (1914, Henry Lehrman) hatte Charlie Chaplin – der diese Art von Brachialität eigentlich nicht mochte – Gelegenheit, als früher Tramp die Verhältnisse zu verwirren. Die Rolle von Roscoe „Fatty“ Arbuckle als falschem Bombenleger in Fatty‘s New Role (1915, R. Arbuckle) wurde von der Schlagzeile begleitet: „Three saloons blown up by man enraged at being refused service.“ Und auch beim schielenden Ben Turpin, der lebendig gewordenen Zeitungscomic-Figur des Happy Hooligan, folgte aus den besten Absichten bei dem Versuch, bloß Gutes zu tun, nichts als Chaos und Zerstörung. In Safety Last! (1923, Fred C. Newmeyer, Sam Taylor) gelang es Harold Lloyd (auch er arbeitete kurzzeitig für Sennett), das Mayhem-Prinzip aus seiner bei Sennett stereotyp gewordenen Anwendung zu lösen.
Ein Nachfahre der Mayhem-Komik ist mit veränderten Rollen Jerry Lewis, ein noch jüngerer Jim Carrey, z.B. in The Mask (USA 1994).

Literatur: Louvish, Simon: Keystone, the life and clowns of Mack Sennett. London: Faber and Faber 2003.

Referenzen