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Kinästhesie / Kinästhetik

gelegentlich auch: Kinesthese; auch: kin(ästh)etischer, Bewegungs- oder Muskelsinn, manchmal auch ‚sechster Sinn‘ genannt; engl.: kin(a)esthesis, kin(a)esthesia, als Adj.: kin(a)esthetic; Kunstwort aus griech.: kinein = bewegen + aisthesis = Sinn, Wahrnehmung

Unter Kinästhesie versteht man wahrnehmungstheoretisch in eigentlicher, nicht-metaphorischer Auffassung die tiefensensiblen Empfindungen, die durch die räumliche Eigenbewegungen des Körpers oder seiner Teile hervorgerufen werden. Als Teil des menschlichen System der Propriozeption, zu der noch der Positionssinn (Lage- oder Stellungssinn), der Orientierungssinn (Richtungssinn) und der Kraftsinn (Körperspannung) gehören, ist der gesunde Körper mit Hilfe von Propriozeptoren (in Muskeln, Sehnen, Gelenken und im Vestibularsystem des Innenohrs) jederzeit in der Lage, Position und Ausrichtung seiner selbst in Bezug auf die Richtung der Schwerkraft zu empfinden, Stellung und Ausrichtung der Körperteile zueinander zu bestimmen sowie Ausmaß, Geschwindigkeit, Beschleunigung und Richtung von Positionsänderungen zu verrechnen. Dieser Möglichkeiten, den eigenen körperlichen Zustand jederzeit wahrzunehmen, die Informationen darüber zentral zu verarbeiten und koordinierende Körpersteuerungen durchzuführen, bedarf es schon etwa bei der komplexen Leistung, einfach nur auf einem Stuhl zu sitzen und nicht herunterzufallen.
Damit erschließt sich schnell, dass besondere kinästhetisch-propriozeptive Kompetenzen für Schauspieler unabdingbar sind, aber auch zum Handwerkszeug von Regie und Kameraarbeit gehören. Insbesondere die theoretische Basis der 3D-Animation hat in den letzten Jahren durch neuere, Physik und Kognitionswissenschaften ebenso wie die Semiotik berücksichtigende Forschungen auf dem Gebiet der Kinästhetik erhebliche Erweiterungen erfahren.
Interessant sind auch Spielfilmexperimente, die menschliche Kinästhesie unter einschränkenden Bedingungen zeigen, etwa durch eine angeborene Behinderung wie in My Left Foot: The Story of Christy Brown (Irland/GB 1989, Jim Sheridan) oder auch drogeninduziert wie etwa in Fear and Loathing in Las Vegas (1998, Terry Gilliam).

Literatur: Anderson, Aaron: Kinesthesia in martial arts films: action in motion. In: Jump Cut 42, Dec. 1998, S. 1-11, 83. – Restat, Jan: Kognitive Kinästhetik. Die modale Grundlage der amodalen Raumkognition. Lengerich [u.a.]: Pabst 1999.

Referenzen