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kindliche Protagonisten

Kindliche Protagonisten treten in allen Genres des fiktionalen Films auf: von Kinderfilmen (für ein kindliches Zielpublikum) über Actionfilme und Familiendramen zu Horrorfilmen (die sich an Erwachsene richten). In jedem Fall sind sie aufschlussreich in Bezug auf die Frage, welcher Kindertypus wann bevorzugt wird und welche Facetten des sozialen Konstrukts Kindheit er verkörpert.
Auf den ersten Blick scheinen kindliche Protagonisten unschuldig. Deshalb können viele Themen sozusagen natürlich umgangen werden, weil sie sich in einem Film mit Kindern gar nicht oder nicht auf herkömmliche Weise stellen. Oder aber man spricht im Gegenteil Brisantes an, gerade indem man es kindlichen Protagonisten in den Mund legt – weil sie die sprichwörtliche Narrenfreiheit genießen und sagen dürfen, was anderen verboten ist. Beide Strategien haben sich in Produktionszusammenhängen mit ausgeprägter Zensur bewährt, z.B. im iranischen Kino seit der Islamischen Revolution 1979.
Dass kindliche Protagonisten von Kindern dargestellt werden, ist insofern bedeutsam, als diese schonend eingesetzt werden, da sie noch kein volles Verständnis für ihre Rolle haben können. Außerdem unterliegen sie besonderen Arbeitsschutzbestimmungen und benötigen während des Drehs mehr Pausen, was oft dadurch ausgeglichen wird, dass die gleiche Figur abwechselnd von Zwillingen dargestellt wird. Schließlich neigen kindliche Darsteller dazu, vor der Kamera ähnlich wie Erwachsene im Dokumentarfilm zu agieren: weniger kodiert und eindeutig, manchmal nur punktuell mitreißend, dann aber umso intensiver und überzeugender.