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Kolonialfilm

Filme, die in oder über koloniale Territorien produziert wurden. Während der deutschen Kolonialzeit waren Kolonialfilme mehrheitlich nichtfiktionaler Art: Aktualitäten, Reisebilder, ethnographische Studien, Natur- und Jagdaufnahmen sowie Produktionsprozesse. Erste Überlegungen zum Einsatz des Films in den deutschen Kolonien gehen bis auf das Jahr 1898 zurück, aber erst um 1904/05 wurden erste Projekte realisiert. Kolonialfilme wurden nicht von staatlicher Hand produziert, sondern ausschließlich von privater Seite wie der Deutschen Bioscop-Gesellschaft und verschiedenen Amateurfilmern. Kolonialfilme im frühen Kino beschränkten sich nicht auf die Darstellung der kolonisierten Bevölkerung. Sinnstiftend für die Identitätsbildung des kolonialen Zuschauers, in den Kolonien eine ,Kulturmission’ zu erfüllen, führten die Filme technische Errungenschaften und Ergebnisse kolonialer Arbeit vor Ort vor. Als größter kolonialer Interessenverband betrieb die Deutsche Kolonialgesellschaft eine eigene Kinematographenkampagne (1907-1908/09). Koloniale Propagandaspielfilme entstanden im Ersten Weltkrieg durch die Deutsche Kolonialfilm-Gesellschaft (DEUKO), z.B. Farmer Borchardt (Carl Boese, 1917). Nach dem Verlust der Kolonien dienten koloniale Sujets im Weimarer Kino u.a. der Rekonstruktion einer deutschen nationalen Identität (Nagl 2009).
Kolonialfilme als nationale Nabelschau und imperiale Selbstvergewisserung kennzeichnen ebenso französische und britische Kolonialfilmproduktionen. Im Fall der britischen Kolonialzeit wurde Film zu einem wesentlichen Lenkungsinstrument für die lokale Bevölkerung in den Kolonien, etwa in Form der Missionierung, Gesundheitsaufklärung und Verwaltung. Eine beispielhafte Aufarbeitung eines nationalen kolonialen Filmerbes ist das britische Projekt „Colonial Film: Moving Images of the British Empire“: http://www.colonialfilm.org.uk/.

Literatur: Fuhrmann, Wolfgang: Imperial Projections, Screening the German Colonies. London/New York: Berghahn 2015. – Nagl, Tobias: Die unheimliche Maschine: Rasse und Repräsentation im Weimarer Kino. München: edition text + kritik 2009. – Grieveson, Lee / MacCabe, Colin (eds.): Empire and Film. London: Palgrave Macmillan 2011. – Grieveson, Lee / MacCabe, Colin (eds.): Film and the End of Empire. London: Palgrave Macmillan 2011.