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Kolorem

engl.: coloreme

Einen Vorschlag, die gestalttheoretischen Annahmen zur Bildanalyse zu nutzen, hat Fernande Saint-Martin (1987) entwickelt. Sie verzichtet auf eine Auszeichnung konkreter Bildelemente zugunsten visueller Felder, die sie als Koloreme bezeichnet. Ein Kolorem wird durch visuelle Variablen bestimmt – es handelt sich um die Zone, die während einer Fixationsphase des Auges zwischen zwei Sakkaden fixiert wird –, die objektive Eigenschaften des Bildes (plastische Variablen) wie subjektive Eigenschaften der Bildwahrnehmung (perzeptuelle Variablen) integriert. Jede Veränderung im Feld führt zu einer Veränderung der Bedeutungen des Bildes. Die Vorstellung des ‚Kolorems‘ ist nicht unmittelbar auf die Farbigkeit des Feldes zurückzuführen, auch wenn Saint-Martin Farbe als dominierendste visuelle Qualität ansieht. Das Ziel einer Bildanalyse besteht darin, die Relationen zwischen den Koloremen und den durch sie gebildeten größeren visuellen Feldern (gelegentlich ‚Superkoloreme‘ genannt) genauer zu erfassen. Die sich ergebende Bildsyntax besteht einerseits aus diesen Relationen, die durch Topologie, Gestalt und Farbkontrast spezifiziert werden; andererseits umfasst sie die Prinzipien der kognitiven Funktionen und Operationen, die zum Etablieren der größeren Einheiten auf Grundlage der Relationen zwischen den Koloremen nötig sind. 

Literatur: Saint-Martin, Fernande: Semiotics of Visual Language. Bloomington/Indianapolis: Indiana University Press 1987.