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kreative Geographie

engl.: creative geography

Als „kreative Geographie“ bezeichnete Kuleshov die Kraft von Bildfolgen, in eine zusammenhängende Raumvorstellung integriert zu werden ungeachtet der tatsächlichen Herkunft der Aufnahmen. Eines seiner Montageexperimente zeigte fünf Einzelbilder (1 – ein Mann geht von rechts nach links; 2 – eine Frau geht nach rechts; 3 – der Mann und die Frau treffen sich, sie schütteln die Hände, der Mann zeigt ins Off; 4 – Bild eines weißen Gebäudes; 5 – der Mann und die Frau auf den Treppen eines Gebäudes), die alle an verschiedenen Plätzen aufgenommen waren; das Weiße Haus stammte sogar aus einem amerikanischen Film und zeigte das Weiße Haus in Washington; trotz dieser durchaus sichtbaren Heterogenität der Herkunftsorte synthetisierten die Zuschauer eine zusammenhängende Sequenz und die Vorstellung eines „sequentiellen Raums“. Filme wie Michael Winterbottoms Code 46 (USA 2003), der Bilder aus neuen Großstädten wie Seattle, Dubai, Shanghai oder Jaipur zur Vorstellung einer neuen, kalten und gigantischen Zukunfts-Megalopolis verschmilzt, oder La Guerre du Feu (Frankreich/Kanada 1981, Jean-Jacques Annaud), der Aufnahmen von nahezu allen Kontinenten zur Landschaft der Steinzeitmenschen komponiert, nutzen den Effekt der kreativen Geographie, der auf eine grundlegende Tendenz der Rezeption zur Homogenisierung des Materials in sinntragende, zusammenhängende Einheiten hindeutet.