Metainformationen zur Seite

Künstlerporträt

Wie das Musiker-Porträt ist das Künstlerporträt eine Spielart des Doku-Porträts und damit ein häufiges Format im Dokumentarfilm. Künstler und Künstlerinnen scheinen sich besonders zur filmischen Porträtierung zu eignen: durch ihr geläufiges, gelegentlich exzentrisches Auftreten in der Öffentlichkeit, ihre oft effektvolle Selbststilisierung in Interviews oder Begegnungen mit anderen Künstlern, ihre wirkungsvolle und ausgeklügelte Performance bei Proben, Vernissagen o.ä. sowie durch fotogene Arbeitsinstrumente und -accessoirs, Ortswechsel und Tourneereisen, schrille Nebenfiguren, hysterische Fans etc. Die im Porträt zusammengefügten Dokumente aller Art ergeben ein Mosaik, das den Charakter und/oder die Biografie der Porträtierten facettenreich rekonstruiert. Je nach Intention der Filmemacher besteht der Tonfall des Porträts in unverhohlener Lobhudelei oder einer kritischen – und besonders im Zusammenhang mit politischen Fragestellungen bisweilen unbequemen – Auseinandersetzung mit einer Künstlerexistenz.
In Deutschland war es vor allem Hans Cürlis, der in den 1920er Jahren mit seiner Serie Schaffende Hände (1923-26) ein Archiv von Künstlerporträts (u.a. über Lovis Corinth, Otto Dix, George Grosz, Käthe Kollwitz, Max Liebermann, Max Oppenheimer (Mopp), Emil Orlik, Max Pechstein, Joachim Ringelnatz, Christian Rohlfs, Max Slevogt, Lesser Ury, Heinrich Zille) anlegte, die auch als Kulturfilme im Kinobeiprogramm liefen. Seine Kamera dokumentierte aber weniger den Künstler als vielmehr durch ihre Konzentration auf seine Hände die Technik und das Entstehen des Kunstwerks im Schaffensprozess. Cürlis setzte seine Künstlerbeobachtungen im Nachkriegsdeutschland fort; seine bekanntesten Arbeiten aus der Zeit des Nationalsozialismus sind die gemeinsam mit Arnold Frank realisierten Filme Josef Thorak – Werkstatt und Werk, 1943, und Arno Breker, 1944.

Beispiele: Le Mystère Picasso (Frankreich 1956, Henri-Georges Clouzot); Romy. Anatomie eines Gesichts (BRD 1965, Hans-Jürgen Syberberg); Inge Morath – Letzte Reise (Österreich 2003, Regina Strassegger).

Referenzen