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lautes Denken

engl.: verbal report

Lautes Denken ist die (hörbare oder stumme) Verbalisierung des eigenen Denkens. Insbesondere in der kognitiven Psychologie dienen Protokolle des lauten Denkens als Instrumente, mit denen man den Flüssen der Informationsverarbeitung von Probanden angesichts spezieller Aufgaben, aber auch der Rezeption von Texten auf die Spur zu kommen sucht. Alle Informationsverarbeitung wird als Aufgabe und den mit deren Lösung verbundenen Prozessen der Repräsentation (des Problems, des Textes etc.), der Sinnzuweisung und der Problemlösung gleichermaßen abgesehen. Ziel des Verfahrens des lauten Denkens ist es, Indizien und Belege davon zu bekommen, welche kognitiven und emotionalen Prozesse während der Bearbeitung einer Aufgabe ablaufen. Natürlich unterscheiden sich die Probanden individuell, aber auch hinsichtlich des zur Bearbeitung vorgelegten Materials. Kombiniert man die Instruktion, laut zu denken, mit der Möglichkeit, den Fluss der Informationen (etwa die Vorführung eines Films) zu stoppen, zeigen die Verhaltensweisen deutlich, dass der kognitive Aufwand an Wendepunkten der Handlung, an Stellen, an plötzlich gegebene Information dazu zwingt, die bisherigen Konstellationen, Wertsetzungen etc. zu revidieren etc. deutlich steigt und der Raum für emotionale Reaktionen, Assoziationen etc. nur mit gewisser Verzögerung wieder geöffnet wird.

Literatur: Ericsson, Karl A. / Simon, Herbert A.: Verbal Reports as Data. In: Psychological Review 87, 1980, S. 215-251. – Dies.: Protocol analysis. Verbal reports as data. Cambridge, Mass.: MIT Press 1993. - Williams, A. Mark / Davids, Keith: Assessing cue usage in performance contexts: A comparison between eye-movement and concurrent verbal report methods. In: Behavior Research Methods 29,3, 1997, S. 364‑375.