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Leidensgeschichte

Von der Passionsgeschichte Christi inspirierte und nicht selten auch auf diese anspielende Form der Narration, in deren Mittelpunkt eine leidende Figur steht. Leidensgeschichten brechen oft radikal mit der Forderung der Hollywood-Narration, dass die Handlungsfähigkeit und -macht des Helden das eigentliche und zentrale Gut der Geschichte sind. In Leidensgeschichten büßt der Held genau die Fähigkeit ein, aus eigener Entscheidung zu handeln, wird zur Ohnmacht verdammt und oft genug zum Opfer anderer Akteure. Der leidende Held ist oft bereit, wie ein Märtyrer für seine Überzeugungen und Werte Torturen auf sich zu nehmen. Neben Adaptionen der Passionsgeschichte selbst (zuletzt The Passion of the Christ, 2004, Mel Gibson) bilden häufig die Biografien historischer Figuren die Stoffgrundlage filmischer Leidensgeschichten (wie La Passion de Jeanne d‘Arc, 1928, Carl Theodor Dreyer). Der dem Melodramatischen zuneigende Narrationstyp kann sich jedoch auch auf psychisches Leiden oder eine unheilbare Krankheit erstrecken oder sich auf die subtile Gewalt in Institutionen, auf Kriegsgefangenschaft (wie in Ningen No Jôken / dt.: Barfuß durch die Hölle, 1959-1961, Masaki Kobayashi) oder Lebensbedingungen der Armut (Salaam Bombay, 1988, Mira Nair) u.ä. beziehen. Einen eigenen Heldentypen („leidender Held“) hat das russische Kino ausgeprägt (wie in Sudba tscheloweka / Ein Menschenschicksal, 1959, Sergej Bondartschuk).

Referenzen