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Lektor

von lat. lector ‚Leser‘; (1) in der lateinischen Liturgie der innerhalb des Gottesdienstes mit dem Vortrag der Lesung Beauftragte; früher ein kirchliches Amt mit niederer Weihe als Vorstufe zur Priesterweihe; (2) in den evangelischen Kirchen das von Laien versehene Ehrenamt, bei Fehlen des Pfarrers Lesegottesdienste abzuhalten; (3) Bezeichnung eines nicht habilitierten Hochschullehrers für Einführungskurse und Übungen, besonders in philologischen Fächern (z.B. Sprachunterricht); (4) Angestellter oder freier Mitarbeiter eines Verlags (oder einer Rundfunk- und Fernsehanstalt oder einer Film- und Fernsehproduktion), der Manuskripte prüft und für die Veröffentlichung einrichtet, z.T. auch das Verlagsprogramm für bestimmte Gebiete mitentwirft und dessen Ausführung organisiert; ggf. gehört auch das Veranlassen von Umarbeitungen zu seinem Tätigkeitsbereich

Der Berufstypus gehört zu den äußerst jungen Professionen und ist mit dem Beginn des modernen Buchhandels sowie dem Entstehen des literarischen Verlages gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu verankern. Lektoren arbeiten in allen Bereichen der Wirtschaft, in denen Texte produziert werden – sie betreuen Buchprojekte, begutachten Hörfunk- sowie Film und Fernsehmanuskripte, konzipieren Webpages, redigieren und überarbeiten Werbetexte und Firmenexposés. Der Berufsstand des Filmlektors (re)institutionalisiert sich in Deutschland seit Ende der 1980er Jahre – nachweislich haben bereits in den 1930er und 1940er Jahren Filmlektorate existiert. Im Unterschied zum Verlagslektor, dessen Aufgabengebiet sich ab den 1970er Jahren vom ‚Gatekeeper‘ und Autorenbetreuer zum Produktmanager weiterentwickelt hat (zur inhaltlichen Gestaltung und Redaktion kommt die ökonomisch effektivste Vermarktungsstrategie des Buches), reduzieren sich die Aufgaben des Filmlektors – nach jeweiligem Auftragsprofil – auf eine evaluierende Expertenmeinung, die als Filter- oder Beratungsfunktion für den Auftraggeber fungiert.

Literatur: Katahn, T.L.: Reading for a Living. How to Be Professional Story Analyst for Film an Television. Pacific Palisades, Cal.: Blue Arrow Books 1990. - Müller, Gottfried: Dramaturgie des Theaters und des Films. Würzburg: Triltsch 1941. – Schneider, Ute (Hrsg.): Das Lektorat – eine Bestandsaufnahme. Beiträge zum Lektorat im literarischen Verlag. Wiesbaden: Harrassowitz 1997 (Mainzer Studien zur Buchwissenschaft. 6.).

Referenzen