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Lioretograph

Als einer der ersten Filme, die mit Synchronton im Kino gezeigt wurden, gilt Roméo et Juliette (Farnkreich 1900, Clément Maurice): Er wurde von der zu Léon Gaumont gehörenden Firma Phono-Cinéma-Théâtre als erster von insgesamt 24 Filmen produziert und im Rahmen der Weltausstellung in Paris vorgeführt. Die Filme zeigten die bekanntesten Stars der Zeit, darunter Sarah Bernhardt. In dem Verfahren wurde zunächst der Ton auf einem Lioretographen aufgezeichnet, einem phonographischen Walzensystem, das der Uhrmacher Henri Jules Lioret nach diversen Versuchen mit sprechenden Puppen 1900 vorgestellt hatte und das eine vierminütige Ton-Aufzeichnung ermöglichte. Über das Aufnahmeverfahren gibt es widersprüchliche Berichte: Einige behaupten, dass die Tonaufnahmen zuerst aufgenommen wurden und die Schauspieler dann versuchten, möglichst lippensynchron zu spielen; andere dagegen gehen vom Primat der Bildaufnahme aus, auf deren Projektion die Schauspieler lippensynchron zu sprechen suchten. Bei der Projektion im Kino stand der Lioretograph vor der Leinwand; der Projektionist konnte mit einer Telefonverbindung die Vorführgeschwindigkeit möglichst genau auf die Tonwiedergabe abstimmen. Nach der Weltausstellung wurden die Filme noch bis 1902 in anderen europäischen Städten gezeigt, die meisten gingen danach verloren. Der Lioretograph gilt als Vorform des Gaumontschen Phonographen.