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Lolita

Eponyme, aus einem Eigennamen abgeleitete Gattungsbezeichnung für ein kokettes, sexuell frühreifes, minderjähriges Mädchen im Alter von 9 bis 14 Jahren, das eine verführerische, erotisierende oder sexuell stimulierende Wirkung auf Männer mittleren Alters ausübt. Eigentlich wie Lola eine Kurzform des span. weiblichen Vornamens Dolores; auch Diminutiv oder Koseform von Lola. Neuerdings meist nach dem Titel eines in englischer Sprache geschriebenen Romans (1955) von Vladimir Nabokov
Die Rezeptionsgeschichte des Romans Lolita von Nabokov ist ausgesprochen lebendig: Verfilmt wurde er in einer letztlich kulturkritischen Lesart voller Komik von Stanley Kubrick (1961/62) und ein zweites Mal nah am Softsexfilm durch Adrian Lyne (1997). Edward Albee hat den Stoff dramatisiert (1979); Michael West hat 2002 das Nabokovsche Drehbuch für eine Theaterfassung im Stil der Commedia dell‘arte adaptiert; eine Musicalfassung stammt von Alan Jay Lerner (Lolita, My Love, 1971; Musik: John Berry); Kim Morrissey hat 1992 einen Gedichtband aus der Perspektive von Dolores Haze geschrieben und Pia Pera 1995 ein aus Lolitas Sicht verfasstes Tagebuch vorgelegt.
Nabokovs Lolita ist eine Kindfrau nur in dem vordergründigen Sinne, dass sie als Kind von ihrem Stiefvater Humbert Humbert zur Frau gemacht wurde, sie ist aber keine Kindfrau in dem Sinne, dass sie sich als Frau eine eigentümlich-anziehende Kindlichkeit zu bewahren weiß – im Gegenteil: schon nach kurzer Zeit hat sie ihren jungmädchenhaft-verspielten Reiz verloren. Weder Kubricks noch Lynes Realisierungen der Lolita treffen nun das Wesen der Nymphette im Sinne Nabokovs. Lolita ist heute zu einem Gattungsnamen geworden, der filmisch in zwei spezifischen Ausrichtungen verwendet wird: zum einen als literarisch vorgeprägtes Motiv (älterer Mann ist wunderschönem, aber leider zu jungem Mädchen verfallen), zum anderen bei weitreichender Sexploitation der Figur bei nur noch lockerer Anlehnung an die ursprüngliche Vorlage.

Literatur: Nabokov, Vladimir: Lolita. Ein Drehbuch. Nach den Originaltyposkripten zsgest. u. übers. v. Dieter E. Zimmer. Reinbek: Rowohlt 1999. – Corliss, Richard: Lolita. London: British Film Institute 1994. – Schiff, Stephen: Lolita: the book of the film. New York: Applause 1998 (Applause Screenplay Series.). – McGinn, Colin: The meaning and morality of Lolita. In: The Philosophical Forum 30,1, 1999, S. 31-41. – Whiting, Frederick: The strange particularity of the lover's preference: pedophilia, pornography, and the anatomy of monstrosity in Lolita. In: American Literature 70,4, 1998, S. 833-862.

Referenzen