Metainformationen zur Seite
  •  

Lyta

Der technikbegeisterte Ethnologe Odo Deodatus Tauern gründete mit dem Physiker Nikolaus Moritz Lyon im Juli 1921 die feinmechanischen Werkstätten Apparatebau Freiburg GmbH, die bald den Zusatz „Lyta-Kino-Werke“ erhielten – abgeleitet von den Namenskürzeln der beiden Firmeninhaber. Die filmtechnische Fertigung bei Lyta ging auf Anregungen Arnold Fancks zurück und konzentrierte sich zunächst auf die Entwicklung einer ersten Spiegelreflex-Filmkamera. Parallel wurde das im Frühjahr 1924, kurz vor der „Moviola“, vorgestellte Lyta-Kinoskop auf seinen Wunsch entwickelt. Da die kontinuierliche Filmbewegung lediglich mit einer rotierenden Blende kaschiert wurde, war ein starkes Flimmern zu bemerken. Andererseits arbeitete der Mechanismus geräuscharm und filmschonend. Das Kinoskop war einzeln zum Einbau in vorhandene Klebetische, als Koffergerät mit Umrollvorrichtung und ab Herbst 1924 auch fest integriert in den „Lyta-Universal-Arbeitstisch“ lieferbar. Dieser beidseitig mit Handkurbeln versehene Horizontalumroller kann als der erste wirkliche Schneidetisch bezeichnet werden: Neben dem Bildbetrachter besaß er eine Fußbremse und eine in die Arbeitsfläche eingelassene, von unten erleuchtete Mattscheibe. Die Rückwand bestand aus einem Leuchtgalgen mit Ablagemöglichkeiten für kürzere Filmrollen.
Zu Beginn des Tonfilmzeitalters wurde der Firmenname in „Lytax-Werke“ geändert und der Arbeitstisch als „Zweiplatten Tonfilm-Abhörtisch“ in geringfügig modifizierter Form für den Schnitt einstreifiger Lichtton-Arbeitskopien angeboten. Einige Zeit später erschien unter der Bezeichnung „Lytax Vierplatten-Tonfilm-Abhörtisch“ ein Modell für den zweistreifigen Tonfilmschnitt, das u.a. bei der Montage von Leni Riefenstahls Olympia-Filmen (1936-38) Verwendung fand.
Konstruktionen der Firma „Lytax“ haben sich nicht langfristig behaupten können: Firmen wie Klangfilm, Union-Tonfilmmaschinenbau, Geyer und die UFA-Werkstätten stellten bald ebenfalls horizontale Schneidetische mit filmschonendem, kontinuierlichem Filmtransport her, die aber durch den Einsatz optischer Ausgleichsverfahren (Polygonprismen, Schwingspiegel und Linsenkränze) eine deutlich bessere Bildqualität ermöglichten als der flackernde „Kinoskop“-Betrachter.

Literatur: Nuffer, Eberhard: Filmschnitt und Schneidetisch. Eine Zeitreise durch die klassische Montagetechnologie. Potsdam: Polzer 2002 (Weltwunder der Kinematographie. 7.).