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Mad Scientist

dt.: verrückter Wissenschaftler

Der Mad Scientist ist eine Figur, die in Comics, Computerspielen, Romanen und in Filmen und dabei häufig im Horrorfilm auftaucht. Unterscheiden lassen sich zwei Grundtypen des verrückten Wissenschaftlers, die sich auch überschneiden können: derjenige, der besessen von seiner Arbeit und Genialität ist, weil er meint, eine Weltformel oder den Sinn des Lebens entdeckt zu haben (z.B. Pi, USA 1998, Darren Aronofsky) und darüber gegebenenfalls dem Wahnsinn verfällt; und derjenige, der Erschaffer einer Kreatur ist (z.B. Frankenstein, Großbritannien/Japan/USA 1994, Kenneth Branagh), über die er die Kontrolle verliert; ein Sonderfall des letzteren ist die Figur des persönlichkeitsgespaltenen Dr. Jekyll, dessen zweites, mordendes Ich (Mr. Hyde) in Selbstversuchen entstand.
In den Filmen um die ,bösen‘ verrückten Wissenschaftler führen die Erfindungen, Experimente etc. fast immer zu weitreichenden Katastrophen, die eine Bedrohung für eine Stadt oder die ganze Welt darstellen können. Ihnen gegenüber stehen die ,guten‘ verrückten Wissenschaftler wie die Comicfigur Daniel Düsentrieb oder Prof. Julius Kelp in The Nutty Professor von Jerry Lewis (USA 1963), der die Dr.-Jekyll-und-Mr.-Hyde-Geschichte komödiantisch variiert. Weitere Beispiele für die humoristisch angelegten verrückten Wissenschaftler sind die Figuren des Doc Brown in den drei Back-to-the-Future-Filmen (USA 1985/1989/1990, Robert Zemeckis) und des Dr. Brakish Okun in Independence Day (USA 1996, Roland Emmerich).
Die Stereotypien – zerstreut, weltfremd, verloren in der eigenen Arbeit, Leben und Arbeiten in Bergen von Büchern und Notizen, mit zerzausten Haaren nach Einsteinschem Vorbild – des Wissenschaftlers reicht zurück bis in die Antike, in der bereits eigenbrötlerische Philosophen und zerstreute Gelehrte dargestellt wurden. Die moderne Fassung fand das Wissenschaftler-Stereotyp schließlich in der Renaissance, als die Macht der Religion durch den Glauben an wissenschaftliche Fortschritte untergraben wurde.

Literatur: Tudor, Andrew: Monsters and Mad Scientists. Cultural History of the Horror Movie. Oxford: Blackwell 1989, v.a. 83ff. – Junge, Torsten [...] (Hrsg.): Wahnsinnig genial. Der Mad Scientist Reader. Aschaffenburg: Alibri 2004. – Toumey, Christopher P.: The Moral Character of Mad Scientists: A Cultural Critique of Science. In: Science Technology Human Values 17,4, Oct. 1992, S. 411‑437.