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Manichäismus

In der antiken Religion des Manichäismus stehen sich das göttliche Lichtreich und das Reich der Finsternis als Gegner gegenüber. Teile des Lichts sind von der Finsternis gefangen und in der Welt eingeschlossen worden. Um das Licht zu befreien und wieder dem Reich Gottes hinzuzufügen, braucht es eine Kaste von Auserwählten, die das eingeschlosseene Lichtbefreien, indem sie keinen Geschlechtsverkehr haben und weder Menschen, Tiere, noch Pflanzen verletzen.
Aus diesem Gründungs- und Weltmythos wurde die Vorstellung einer dualistischen Teilung des Universums in die Reiche des Guten und des Bösen als elementare Werteordnung extrahiert, die sich in der Wertewelt Hollywoods wiederspiegele, die wiederum der US-amerikanischen Tendenz zu einer radikalen Vereinfachung der politischen Konflikte zu elementaren Wertgegensätzen korrespondiere. Gute sind in diesem System ausnahms- und fraglos gut, Böse sind abgrundtief und wesenhaft böse. Gerade einfache Formen (wie zahlreiche Western der klassischen Phase des Western oder auch neuerdings die James-Bond-Filme, zahllose Action- und Kriegsfilme) kontrastieren die Werte holzschnittartig, transformieren komplexe soziale Widersprüche und Konfliktszenarien (wie das zwischen Arbeitern und Kapitalisten) womöglich in äußerst vereinfachte Interessen- und Wesensoppositionen. Zur manichäistischen Orientierung des Hollywood-Kinos gehört auch die Tendenz, Wertkonflikte zu personalisieren und einzelne Akteure der Handlung als Kämpfer für Wert-Rettung auszuweisen. Insbesondere im Fantasy-Bereich finden sich derartige Konstellationen immer wieder (wie in den beiden Trickfilmen The Last Unicorn, USA 1982, Jules Bass, Arthur Rankin Jr., über die Befreiung der Einhörner als Repräsentanten des Guten aus dem Meer, und The Dark Crystal, USA 1982, Jim Henson, Frank Oz, über das Zusammenbrechen einer dualistischen Weltordnung zugunsten einer befreiten Welt).

Literatur: Smith, Murray: Engaging characters. Fiction, emotion, and the cinema. Oxford: Clarendon Press 1995. – Rothschild, Thomas: Wider den Manichäismus. In: Titel: Literatur und mehr, 18.5.2006 [online].