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Männer-Verhalten

Männer-Verhalten ist ein Motiv, das in komischen und ernsten Genres vorkommt, keinesfalls aber nur in solchen mit zahlenmäßig dominierenden Männerfiguren wie Western, Kriegs- oder Actionfilm etc. Die Frage zielt darauf ab, solche Elemente nichtverbal-kommunikativen Verhaltens (Wie geht ein Mann war einmal Titel eines TV-Features, das genau diese Frage zu beantworten suchte [1981, Hans Stempel, Martin Ripkens]) zu finden, aber auch in Handlungsplanungen und Entscheidungskriterien einzudringen, die ein explizit als „männlich“ attribuiertes Verhalten auszeichnen. Was als (proto-)typisches Männer-Verhalten gilt, ist natürlich von historischen und soziokulturellen Prozessen und Bedingungen abhängig, variiert zudem in den nationalen, ethnischen und religiösen Kulturen. Die Untersuchung derartiger Fragen ist Teil der Masculinity Studies, die wiederum zu den Gender Studies gehören.
Spricht man von „Männer-Verhalten“, ist zumindest in den prägnantesten Beispielen ein ironischer, oft sogar satirisch-kritischer Impuls spürbar. Offensichtlich ist der Terminus mit einer Wertungsqualität assoziiert, so dass es vom Standpunkt des Regisseurs oder der Regisseurin abhängt, ob spezifisch männliche Wertvorstellungen sowie Verhaltens- und Problemlösungsstrategien als Tugend gepriesen oder als chauvinistischer Machismo verurteilt werden. Das Spektrum einer solchen, von vornherein wertbesetzten Auseinandersetzung mit den Kriterien der Männlichkeit reicht von der klischeehaften Gegenüberstellung von besonders „maskulinem“ heterosexuellem Mann und besonders „femininer“ Frau (dann manchmal ergänzt um die Figur eines besonders effeminierten schwulen Mannes) über Bilder eines heroischen, dabei vielleicht pessimistisch-verzichtenden getrübten Helden (der dann auch noch ein narzisstisch verzerrtes Realitätsbild hat und das Sexuelle sublimiert oder ganz unterdrückt) bis hin zum Typus des repressiven und gewalttätigen Macht-Mannes, der in der Erlangung politischer, militärischer oder ökonomischer Macht eine Art von Selbstvollendung findet. Alle Formen des Männer-Verhaltens können und werden in Komödie, Parodie und Satire auf die Schippe genommen oder im Melodrama problematisiert werden.

Beispiele: Das Paradies der Junggesellen (Deutschland 1939, Kurt Hoffmann); The Men (USA 1950, Fred Zinnemann); Männer (BRD 1995, Doris Dörrie).

Literatur: Haschemi Yekani, Elahe: The privilege of crisis. Narratives of masculinities in colonial and postcolonial literature, photography and film. Frankfurt [...]: Campus 2011. - Läubli, Martina (Hrsg.): Männlichkeiten denken. Aktuelle Perspektiven der kulturwissenschaftlichen Masculinity Studies. Bielefeld: Transcript 2011. – West, Russell: Subverting masculinity. Hegemonic and alternative versions of masculinity in contemporary culture. Amsterdam [...]: Rodopi 2000.