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Märchenfilm

engl.: fairy-tale film

Märchenfilme sind Filme, die von den heldenhaften Abenteuern von Prinzen, Feen, Zauberern und anderen märchenhaften Wesen handeln. Verfilmt wurden sowohl die klassischen Märchenstoffe von den Gebrüdern Grimm, Andersen oder Hauff wie auch moderne Kunstmärchen. Es gab schon in den 1920ern lange Märchenfilme (wie etwa den Scherenschnittfilm Die Abenteuer des Prinzen Achmed, Deutschland 1926, Lotte Reiniger). Mit dem Tonfilm setzte international die Märchenfilmproduktion ein – von Disneys Trickfilmmärchen Snow White and the Seven Dwarfs (1937) über den Hollywood-Spielfilm The Wizard of Oz (1940, Victor Fleming) bis zu Hubert Schongens Filmen aus der Nazizeit oder Jean Cocteaus La Belle et la Bête (Frankreich 1946). Internationale Verbreitung erlangten vor allem die Nachkriegs-Märchenfilme aus der UdSSR, der CSSR und der DDR; so entstanden bereits in den 1950ern aufwendige DEFA-Produktionen wie Das kalte Herz 1950, Paul Verhoeven), Der kleine Muck (1953, Wolfgang Staudte) oder Die Heinzelmännchen (1956, Erich Kobler). Mit der Verbreitung des Fernsehens kam es auch zu einer Umschichtung der Produktionsmittel – es waren TV-Koproduktionen, die eine neue Hochphase des Genres in den 1970ern auslösten (nahezu Kultstatus hat damals Tri orísky pro Popelku / Drei Nüsse für Aschenbrödel, CSSR 1973, Václav Vorlícek, erlangt). Manchmal wurden Elemente des Fantasy-Films auch für die Märchen adaptiert (wie in The Last Unicorn, USA 1982, Jules Bass, Arthur Rankin Jr.). Jim Hensons auf deutschen und russischen Märchen basierende TV-Serie The Storyteller (USA 1988) fand mit dem 30minütigen Serienformat und dem Einsatz postmodern anmutender Erzählweisen neue Ausdrucksmittel für das Genre.
Wie die Märchen sind ihre Verfilmungen nicht unbedingt nur an Kinder adressiert. Im Gegensatz zur Fantasy vermittelt der Märchenfilm eher traditionsbewusste oder gar altertümelnde Wertvorstellungen und ist oft in vergangenen Epochen angesiedelt, besonders oft in einer Art imaginärem Mittelalter. Freilich existieren auch Parodien und Travestien von Märchen (wie Frank Tashlins Cinderfella, USA 1960) – die sich erst recht nicht mehr an ein kindliches Publikum richten.

Literatur: Friedrich, Andreas (Hrsg.): Fantasy- und Märchenfilm. Stuttgart: Reclam 2003. – Liptay, Fabienne: WunderWelten: Märchen im Film. Remscheid: Gardez! Verlag 2004 (Filmstudien. 26.). – Zipes, Jack: Happily Ever After: Fairy Tales, Children, and the Culture Industry. New York/London: Routledge 1997.