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Medialisierung

manchmal auch: Mediatisierung; engl.: mediation, medialization

(1) Alle Prozesse, die von Formen direkter Kommunikation in Formen indirekter Kommunikation übergehen, werden „Medialisierung(sprozesse)“ genannt, weil sie immer auf Medien angewiesen sind. Medien ermöglichen es, den Zwang zur Zeitgleichheit der Vis-à-vis-Kommunikation aufzuheben, den Kommunikationsraum auszudehnen oder zu diversifizieren sowie kommunikative Akte zu vervielfältigen. Neben basalen Typen der Medialisierung (Verschriftlichung, Verbildlichung, Vertonung) finden sich komplexe, oft technisch ermöglichte Typen (Theatralisierung, Verfilmung).
Medialisierung gehört so zur Phänomenologie der sozialen Kommunikation. Medialisierungsforschung interessiert sich aber auch dafür, dass sich die Formate medialer Kommunikation in die Wahrnehmung selbst einschmuggeln und als eine Art von Filter dienen, das Wahrgenommene schon im Hinblick auf seine mediale Repräsentation auffassend.
Ein drittes Feld von Fragen zirkuliert um die Wahrnehmung von Wirklichkeit resp. die Annahme, was „wirklich“ ist. Als „wirklich“ wird angesehen, was in den Medien erscheint. Darum auch liegt es nahe, wirkliches Geschehen medial zu manipulieren oder zu verfälschen (ein Problem für alle Berichterstattungsgattungen der Kommunikation) oder es gar zu erfinden (was im Film mehrfach bearbeitet worden ist, aber auch Gegenstand mancher Medienskandale war).

Literatur: Krotz, Friedrich: Die Mediatisierung kommunikativen Handelns. Wie sich Alltag und soziale Beziehungen, Kultur und Gesellschaft durch die Medien wandeln. Wiesbaden: Westdeutscher Vlg. 2001. –               Meyen, Michael: Medialisierung. In: Medien und Kommunikationswissenschaft 57,1, 2008, S. 23-38. – Schneider, Irmela (1998): Medialisierung und Ästhetisierung des Alltags. In: Ästhetik im Prozeß. Hg. v. Gerhard Rupp. Opladen [...]: Westdeutscher Vlg. 1998, S. 143-178.

(2) Das Schlagwort „Mediatisierung“ (seltener: „Medialisierung“) meint in der politischen Kommunikation eine Verlagerung politischer Meinungs- und Willensbildungsprozesse von Institutionen des Politischen in die Sphäre der medial vermittelten Kommunikation, was wiederum zu einer Anpassungsbewegung zwischen politischen Veranstaltungs- und Handlungsformen und medial erwünschten oder erforderlichen Vorgaben führt (das Politische passt sich an die Formate der Medien an). Medien werden zudem für alle möglichen anderen Funktionen moderner Gesellschaften unentbehrlich (Medialisierung der Gesellschaft).

Literatur: Bösch, Frank / Frei, Norbert (Hrsg.): Medialisierung und Demokratie im 20. Jahrhundert. Göttingen: Wallstein 2006. – Jarren, Otfried / Donges, Patrick: Politische Kommunikation in der Mediengesellschaft. [1. Verständnis, Rahmen und Strukturen. / 2. Akteure, Prozesse und Inhalte.] Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 2002. – Sarcinelli, Ulrich (Hrsg.): Politikvermittlung und Demokratie in der Mediengesellschaft. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 1998.