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Mésalliance

frz.: Missheirat, traditionell als: nicht standesgemäße Ehe

(1) Es gehört zu den Regularien der Ständeklausel, dass dabei insbesondere Regeln der „standesgemäßen Heirat“ festgelegt wurden; alle Dramenstoffe, die Missheiraten zeigen, zeigen auch, dass der Verstoß gegen diese (oft nur implizit gefassten) Regeln geahndet wird, gleichgültig, ob die Eheleute glücklich sind oder nicht. Seit dem Drama des 18. Jahrhunderts ist die Missheirat immer wieder behandelt worden – als Klassen-, Alters-, Rassen-Mésaillance usw. Auch die Filmgeschichte hat immer wieder von den Konflikten erzählt, die Missheiraten folgen oder die schon im Vorfeld der Heirat auftreten. Die Méaillance ist von der Konfrontation des Paares gegen die verfeindete Umwelt, wie sie in der Romeo-und-Julia-Konstellation zum Motiv geworden ist, dadurch unterschieden, dass die Differenzen der Herkünfte im Zusammenleben des Paares selbst zum Vorschein kommen.

Beispiele finden sich bis in die Jetztzeit in verschiedensten Bereichen:
– als Differenz der Standeszugehörigkeiten des Paares sowohl in bürgerlichen (wie in A Walk in the Clouds, USA 1995, Alfonso Arau) wie auch in traditionellen Standesgesellschaften (wie etwa in der Maori-Kultur in Once Were Warriors, Neuseeland 1995, Lee Tamahori); sogar innerfamiliäre Beziehungen werden manchmal als Mésaillancen angelegt (wie in Little Lord Fauntleroy, Großbritannien 1936, John Cromwell, der allerdings mit einer Aussöhnung endet);
– als Differenz der Rassen- oder Nationenzugehörigkeit (wie in Ken Loachs Ae Fond Kiss..., Großbritannien 2004, oder in My Big Fat Greek Wedding, USA 2002, Joel Zwick), eine Differenz, die sogar im zeitgenössischen SF-Film eine Rolle spielt (wie in Code 46, Großbritannien 2003, Michael Winterbottom).
Es liegt nahe, anzunehmen, dass die Inszenierung von Mésaillancen eine Dramatisierungsform nicht nur von Identitätskonflikten der Figuren, sondern auch der in allen Industriegesellschaften drängenden Problematiken der Integration unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen ist, zumal die traditionellen sozialen Aggregationen sich aufzulösen beginnen.

(2) Die Bezeichnung wird oft auch übertragen gebraucht als umgangssprachliche Bezeichnung der Mischung zweier unterschiedlicher und oft gegensätzlicher Stilrichtungen, Werte u.ä. So ist z.B. gelegentlich von einer „Mésalliance von wirtschaftlichem und moralischem Verhalten“ die Rede.

Referenzen