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Metalepse

von griech.: meta-lepsis = Tausch, Vertauschung, Wechsel

Ursprünglich war die Metalepse ein rhetorischer Tropus, der die Ersetzung eines Wortes durch ein kontextuell falsch gebrauchtes Teilsynonym bezeichnet. In der Literaturtheorie Gérard Genettes bezeichnet der Terminus eine Erzählfigur, mitttels derer der Erzähler fingiert, er könne (mit oder ohne den Rezipienten) in die Erzählung eindringen. Die Metalepse ist eine Form der Transgression bzw. des Ebenenwechsels zwischen verschiedenen diegetischen Welten oder zwischen Diegese und Extradiegese (und dient in letzterem Fall oft zur Authentisierung der Geschichte).
Im Film findet sich die Metalepse einerseits als Gegenstand der Erzählung, wenn etwa bei Woody Allens The Purple Rose of Cairo (USA 1985) während einer Kinovorführung der Hauptdarsteller durch die Leinwand aus dem Filmraum in den Rezeptionsraum tritt. Als Form simulativer Authentisierung wird die Metalepse andererseits als Modus des Erzählens eingesetzt: Dem Rezipienten wird suggeriert, er sei Zeuge der Bildentstehung. Dieses Verfahren wird besonders häufig im Pseudo-Snuff-Film (z.B. Blair Witch Project, USA 1999, oder in Cannibal Holocaust, Italien 1980, Ruggero Deodato) und in Mockumentaries (z.B. Man Bites Dog, Belgien 1992) angewendet. Als Motiv findet sich diese Form der Metalepse auch in den sogenannten Film-im-Film- oder Backstage-Dramen (vgl. z.B. Truffauts La Nuit américaine, Frankreich 1973, oder Fellinis Otto e mezzo, Italien 1963).

Literatur: Genette, Gérard: Die Erzählung. München: Fink 1998, S. 72, 168f. – Wortmann, Volker: Authentisches Bild – Authentisierende Form. Köln: Halem 2003. – Loquai, Franz: Buch im Buch und Film im Film. In: Die Wirklichkeit der Kunst und das Abenteuer der Interpretation. Hrsg. v. Klaus Manger. Heidelberg: Winter 1999, S. 181-205.

Referenzen