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Milieustudie

Genre, das sich weniger auf die psychologische Darstellung von Individuen und deren Konflikte einlässt als auf die Analyse eines bestimmten Segments der gegenwärtigen Gesellschaft (in urbanen Umgebungen spricht man auch von „Quartierstudie“). Oft steht eine Institution oder ein anderer Ort der öffentlichen Begegnung wie Kneipe, Frisiersalon, Fischmarkt, Arbeitsamt oder Redaktion samt dem dazugehörigen Spektrum einschlägiger Typen im Zentrum. Sie ist in der Regel einem realistischen Stil verpflichtet, der in der Inszenierung von sprachlichen Jargons, beruflichen Eigenheiten, Insider- Informationen und einer spezifische Atmosphäre zum Ausdruck kommt. Oft wird an Originalschauplätzen und nicht selten mit Laiendarstellern gedreht. Eine ganze Reihe von Filmen, die ursprünglich gar nicht als Milieustudien gedacht waren, erweisen sich mit zunehmender historischer Distanz zum Zeitpunkt ihrer Entstehung und der Unvertrautheit mit alltäglichen Lebensbedingungen und -formen als „Milieustudien zweiter Ordnung“.

Beispiele: Une Partie de Campagne (Frankreich 1936, Jean Renoir); La Terra trema (Italien 1947, Luchino Visconti); La Nuit américaine (Frankreich/Italien 1973, François Truffaut); The Shoe (Lettland 1997, Laila Pakalnina).

Referenzen