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Missionsfilm

von lat.: missio = das Schicken, die Entsendung; Mission ist die Verkündigung der christlichen Botschaft unter Nichtchristen; wegen seines expliziten missionarischen Auftrags ist die Geschichte des Christentums von Beginn an auch eine Geschichte der Mission, die immer unter Verwendung der jeweils modernsten zur Verfügung stehenden (Massen-)Medien (Schrift, Buchdruck, Fotographie, Rundfunk) erfolgte

Auf katholischer Seite kämpften die Patres der Missionsorden (Oblaten bzw. Pères Blancs, Steyler Missionare, Benediktiner u.a.) als Propagandisten der frohen Botschaft an vorderster Front der sogenannten Äußeren Mission in Afrika und Übersee, selbst im unwirtlichen, menschenleeren Norden Kanadas; bei den evangelischen Christen tragen ortfeste Missionsvereine und -gesellschaften die Kosten für ‚ihren‘ Missionar. Bereits im 19. Jahrhundert, der Hochzeit der Missionierung, verwendete man zur Dokumentation des apostolischen Erfolgs und nicht zuletzt zur Spendeneinwerbung die Fotografie, die Laterna magica und Tonbildreihen. Seit den 1920er Jahren lassen sich zahlreiche spezielle Missionsfilme nachweisen, die von den technikbegeisterten europäischen und nordamerikanischen Missionaren in den entlegensten Winkel der Welt unter hohen technischen Anforderungen findig angefertigt und später in speziellen Ordens-Filmstudios bearbeitete worden waren. Inhaltlich gehen diese Filme von rein dokumentarischen ‚Kulturfilmen‘ primär ethnographischen Interesses am Fremden immer mehr zu halbdokumentarischer Einbeziehung der ‚Wilden‘ in sozialarbeiterische Spielhandlungen über, um schließlich zu raffinierten, aufwendig produzierten moralisierenden Bekehrungsgeschichten in Spielfilmlänge mit echten Helden, verstrickt in Liebe und Hass, Schuld und Sühne, Abenteuer, Tod und Heilsgewissheit zu werden – eine Entwicklung, die sich auch in der exotisch-reißerischer Titelgebung niederschlägt.
Neben der Verbreitung der Heilsbotschaft widmen sich die filmenden Missionare in ihren Produktionen sozialen Themen wie Krankendienst, Schule und Ausbildung, aber auch der Durchsetzung christlich-europäischer Werte im Bezugsrahmen der Menschenrechte und westlicher Gesellschaftsordnungen. Auch Probleme mit Stellung und Selbstbestimmung der Frau werden thematisiert (so etwa in Ria Rago und Amorira).
Einige der Filme tragen – zumindest aus heutiger Sicht – kolonial-paternale Züge, die leicht als latent rassistisch gedeutet werden können, wie z.B. in Fils d'Imana – La Geste du Rwanda (1959) des belgischen Oblatenpaters Eric Weymeersch.

Beispiele: Das Heilige Land und Vater Schnellers Liebeswerk (1927, Wilhelm Dachwitz); Gottes Wundertaten unter dem Batavolk auf Sumatra (1927/28, ders.); Mentawei – Auf Vorposten im heidnischen Urwald (Dokuspielfilm, 1927/28, ders., produziert von Gertrud David für die Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel); Bamba, der Neffe des Zauberers (1928, Kenneth F. Space); Tokosile – Die schwarze Schwester (1928, Pater Stephan Jurszek); Ria Rago [De Heldin van het Ndonda-Dal] (1930, P. Simon Buis, P. Beltjens Soverdi); Amorira: Spel van Haat en Liefde, een Amor Ira [aka: Ladja und Meo] (1930, dies.); Bloody Japan [aka: Blut über Japan] (ca. 1937, über Massaker an Christen); Das Kreuz am Okawango (1938, P. Stephan [Jurszek]); Bambuti (1952, P. Roger de Vloo); La Loi du Yukon (1954, P. Basil Studer); Lux in Tenebris (1960, P. Guy Mary-Rousselière, über das Leben eines 'Eismissionars').

Literatur: Meyer, Frank Thomas: Bekehrung mit der Kamera. Filme der Äußeren Mission. In: Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland. Bd. 2. Weimarer Republik, 1918-1933. Hrsg. v. Klaus Kreimeier, Antje Ehmann, Jeanpaul Goergen. Stuttgart: Reclam 2005, S. 204-218. – Meyer, Frank Thomas: Endsieg für den Samariter. Missionsfilme der katholischen und evangelischen Kirche. In: Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland. Bd. 3. Drittes Reich (1933-1945). Hrsg. v. Peter Zimmermann, Kay Hoffmann. Stuttgart: Reclam 2005, S. 414-420. - Waz, Gerlinde (1991) Der "exotische Dokumentarfilm" in Deutschland (1895 bis 1945) am Beispiel des Missions- und Kolonialfilms in Afrika. Magisterarbeit Berlin, Freie Universität 1991. - Waz, Gerlinde: "Zieht fröhlich hinaus zum heiligen Krieg". Die Missionsfilmproduktion in Deutschland (1926-1943). In: Grüße aus Viktoria. Film-Ansichten aus der Ferne [...]. Hrsg. v. Sabine Lenk. Basel/Frankfurt: Stroemfeld 2002, S. 139-180 (KINtop-Schriften. 7.).

Referenzen