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Monopolfilm

auch: Monopolverleih

Der nach 1910 verbreitete Ausdruck Monopolfilmmeinte keine spezielle Filmgattung, sondern bezeichnete einen Handelsmodus im Verleihwesen: Der Monopolverleih war das historisch erste systematisch auf einzelne Filme zugeschnittene Verleihmodell in Deutschland und markierte insofern der Übergang zum modernen Filmhandel. Die juristische Grundlage des Monopolverleihs bildete das gesetzlich fur die Kinematographie verankerte Urheberrecht geistigen Eigentums an Werken der Literatur und Kunst, das Kunstwerke vor unerlaubter gewerblicher Nutzung schützt. Schon 1908 war dieser Schutz geistigen Eigentums in einer Novelle von Artikel 14 der „Berner Übereinkunft“ auf die Kinematographie ausgedehnt worden, was in Deutschland am 22.5.1910 gesetzlich verankert wurde. Zwar waren damit Kunstwerke aller Art, auch kinematographische , vor unerlaubter filmischer Nutzung geschützt, aber in der Praxis kümmerte es noch wenig, wenn ein Filmhersteller den Film eines anderen plagiierte. Mit dem Monopolsystem ergab sich jedoch ein wirtschaftlich vitales Interesse, auf das Urheberrecht an geistigem Eigentum zu pochen. In Deutschland wurde der erste Film-Urheberrechtsprozess im April 1911 angestrengt: Ein von Messter konzipierter und realisierter Monopolfilm der Straßburger Aktiengesellschaft für Kinematographie und Filmverleih (Das gefährliche Alter, Gerhard Dammann) hatte nicht nur den Titel eines literarischen Beststellers adaptiert, sondern bekam durch einen Film gleichen Titels der dänischen Nordisk Films Konkurrenz (Den farlige alterDas gefährliche Alter, Adolf Gärtner), die die Verfilmungsrechte am Buch besaß. Den Prozess verlor interessanterweise die Nordisk Films, die der Einfachheit halber nicht die literarische Vorlage verfilmt, sondern den Messter-Film plagiiert hatte. 

Literatur: Müller, Corinna: Monopolfilm. In ihrem: Frühe deutsche Kinematographie. Stuttgart: Metzler 1994, S. 126-157. – Loiperdinger, Martin: Monopolfilm, Publikum und Starsystem. Asta Nielsen in Abgründe- ein Medienumbruch auf dem deutschen Filmmarkt 1910/11. In:  In: Irmbert Schenk, Margrit Tröhler, Yvonne Zimmermann (Hrsg.): Film - Kino - Zuschauer: Filmrezeption[...]. Marburg: Schüren 2010, S. 193-212.