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Motion Picture Patents Company (MPPC)

Der erste Versuch, in Amerika ein Filmmonopol durchzusetzen, begann mit der Gründung der Motion Picture Patents Company im Dezember 1908. Indem der „film trust“ sämtliche Patente zur Herstellung und Vorführung von Filmen kontrollierte, hoffte sie den Markt vollkommen beherrschen zu können. Doch vom Moment seiner Gründung an sammelten sich Kräfte, die nicht nur den Trust zerstören, sondern über kurz oder lang auch fast alle beteiligen Firmen ins ökonomische Abseits drängen würden.
Mitglieder des Trusts waren zunächst Edison Film Co., American Mutoscope and Biograph Co., Gaumont, Kalem, George Kleine, Lubin, Star Film (Gaston Méliès), Pathé Frères, Selig Polyscope, die Vitagraph, Eastman Kodak, George K. Spoor sowie verschiedene Hersteller von Kameras und Vorführapparaten. Die MPPC fungierte zunächst als Holding Company, die insgesamt 16 Patente für Rohfilm, Kameras und Projektoren verwaltete. Der Trust verkaufte Lizenzen an Produzenten, Verleiher und Kinobesitzer, die es ihnen erlaubten, die verschiedenen Patente zu benutzen, wofür die Nutznießer aber regelmäßig Tantiemen and den Trust zu zahlen hatten. Auch die Verleiher erhielten Lizenzen, doch der Trust befürchtete, dass diese falsche Abrechnungen liefern würden. Mit der Gründung der General Film Company im April 1910 versuchte der Trust, sämtliche selbständigen Verleiher in einem einzigen Dachverband zu vereinigen. Der Versuch scheiterte, weil einige – wie Carl Laemmle (Gründer der Universal), Harry Aitken (American Film Co.) und William Fox – sofort eigene Wege gegen den Trust einschlugen. Fox initiierte sogar einen Prozess gegen MPPC, sich auf das „Sherman-Anti-Trust”-Gesetz berufend. Trotz der Anwendung von Gangstermethoden – Kinobesitzer, die die Filme der „Independents“ zeigten, wurden zusammengeschlagen, ihre Kinos mutwillig zerstört – eroberten die Gegner der Monopolisten immer größere Teile des Marktes. Nicht nur die Independents, auch die eigenen Mitglieder unterwanderten den Trust, so z.B. Kodak, die – entgegen allen Absprachen – unter dem Tisch durch ihren Vertreter Francis Doublier Rohfilm an die Independents verkaufte, ab Februar 1911 sogar offen damit handelte.
Im August 1912 kam eine erste wichtige juristische Entscheidung, als das Gericht eine Klage der MPPC gegen IMP (Laemmles Produktionsfirma) wegen Benutzung eines Kamerapatents abwies. Kurz danach begann sogar die amerikanische Regierung, gegen die MPPC wegen Monopolbestrebungen vorzugehen. Im Jahre 1915 verlor der Trust endgültig per Entscheidung des Obersten Gerichts seine Monopolstellung – war zu diesem Zeitpunkt allerdings fast schon in die Bedeutungslosigkeit abgesunken (so dass die Revision des Urteils, die 1918 abgelehnt wurde, nichts mehr bedeutete). Nicht nur hatte sich die MPPC gegen die Etablierung des Langfilms gestellt, sie kämpfte auch gegen die zunehmende Macht der Filmstars. Während Firmen wie Fox, Laemmle und Lasky (Paramount) zur ersten Reihe der Filmproduzenten avancierten, gingen Biograph, Essanay, Kalem und Lubin in Konkurs. Dass die MPPC jahrelang eine offene antisemitische Politik betrieben hatte, sei nur am Rande vermerkt.

Literatur: Bowser, Eileen: The Transformation of Cinema 1907-1915. New York: Charles Scribner’s Sons 1990. – Cassady, Jr., Ralph: Monopoly in Motion Picture Production and Distribution. In: The American Movie Industry. Ed. By Gorham Kindem. Carbondale: Southern Illinois University Press 1982, S. 25-68. - Conant, Michael: Antitrust in the Motion Picture Industry. Berkeley: University of California Press 1982. – Staiger, Janet: Combination and Litigation: Structures of U.S. Film Distribution, 1891-1917. In: Cinema Journal 23,2, Winter 1984, S. 41-72.

Referenzen