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Multiplankamera

Eines der Ziele Disneys war von Beginn an gewesen, die Zweidimensionalität der Zeichnungen wenigstens scheinbar zu überwinden. So gab er William E. Garity, dem damaligen Leiter der Kameraabteilung, den Auftrag zur Konstruktion einer Multiplan-Kamera, der Idee folgend, in Lagen flacher Bilder „hineinzufahren“. Das Gerüst, in dem die Kamera arbeitete, war über 4m hoch. Aufgenommen wurde von oben (wie bei der bisherigen Zeichentrickfotografie); doch lagen die Zelluloidblätter mit den einzelnen Bildschichten nicht mehr aufeinander, sondern waren auf Glasrahmen befestigt, die 30cm bis 90cm voneinander entfernt waren. Der Abstand hing jeweils von den relativen Größen ab, in der die Bildelemente auf den durchsichtigen Träger gezeichnet waren. Bewegt sich nun die Kamera auf die Rahmen zu, entstehen Tiefenbewegungen, Teile verschwinden, weil sie aus dem Blickfeld der Kamera herauswandern etc. So entstand in der Animation durch die vertikale Staffelung der Teilbilder der dargestellten Szene nicht nur den Eindruck von Tiefe, sondern das Verfahren erlaubte auch dreidimensionale Effekte wie etwa die bruchlose Kamerafahrt in perspektivische Tiefen mit wechselnden Bereichen von Tiefenschärfe. Erstmals ist dieses Instrument in dem Kurzfilm The Old Mill (1937) gebraucht worden; weit eindrucksvoller sind dann die Möglichkeiten der neuen Kamera im gleichen Jahr in Snow White and the Seven Dwarfs, dem ersten Zeichentrickfilm in abendfüllender Länge, zu studieren. Für den Film Sleeping Beauty (1959) entwickelte Ub Iwerks eine Horizontal-Krankamera, die nach dem gleichen Prinzip arbeitete, jedoch beweglicher war – der Kranwagen vermochte größere Strecken in die Szenen hinein- und herauszufahren.