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musée imaginaire

auch: imaginäres Museum, ‚Museum ohne Wände‘, virtuelles Museum

Imaginär bedeutet „nur in der Vorstellung vorhanden, nicht wirklich“. Als Begriff wurde das imaginäre Museum (nach konzeptuellen Vorwegnahmen bei dem provençalischen Dichter und Sammler Frédéric Mistral und im Anschluss an Walter Benjamins Thesen zur technischen Reproduzierbarkeit von Kunstwerken) in den 1940er Jahren von André Malraux. Malraux sieht durch moderne Vervielfältigungsmöglichkeiten und Medien wie den Druck die historische Chance, die Kunst aller Zeiten und Länder, Epochen, Gattungen und Stile, bedeutende wie auch eher weniger wichtige Nebenprodukte, für die gleichzeitige Rezeption virtuell bereitzustellen und so eine ganz neue Intensität an ästhetischer Kommunikation und wissenschaftlichem wie kreativem Austausch zu ermöglichen.
Im Bereich der visuellen Medien ist die Idee des imaginären bzw. virtuellen Museums insbesondere durch den Siegeszug des Internets beflügelt worden. Man erkennt, dass Filme und Photographien nicht nur als Zeitdokumente, sondern auch wie kollektive Bildgedächtnisse von internationalem Charakter behandelt werden sollten. So weiß der Zuschauer heute beispielsweise aufgrund seiner visuellen Filmerlebnisse mehr über die Mythen des amerikanischen Westens als über manche Epochen der deutschen Geschichte. Die Möglichkeiten der Vernetzung erlauben dem Kundigen, virtuell am gesamten überlieferten Erbe menschlicher Kulturen teilzuhaben und doch, ganz im Sinne des imaginären Museums, seine eigenen subjektiv gefärbten Vorlieben und Interessen als Wegweiser zu einer persönlichen Erinnerungskultur zu benutzen.

Literatur: Lefebvre, Martin: "Psycho", de la figure au musée imaginaire: théorie et pratique de l'acte de spectature. Montréal / Paris: l'Harmattan 1997 (Collection Champs visuels.) [ausgehend von der Duschszene in Hitchcocks Film]. – ders.: On memory and imagination in the cinema. In: New Literary History 30,2, 1999, S. 479-498.

Referenzen