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Musikverfilmung

Seltene Variante innerhalb der Gruppe der Verfilmungen. Die grundsätzliche Herausforderung besteht in der Begegnung zweier äußerst verschiedener Kunstformen. Musikverfilmungen tangieren daher immer auch folgende Fragenkomplexe: Was entsteht, wenn einer so abstrakten Kunstform wie der Musik mit einer (potenziell sehr) konkreten Kunstform wie dem Film begegnet wird? Wie sind musikalische Parameter wie Klang, Melodie, Harmonie und Rhythmus in visuelle Parameter umzusetzen? Ist Musik überhaupt verfilmbar? Und grundsätzlicher noch: Was ist die Bedeutung von Musik, was ihre Aussage, ihr Inhalt, ihre Handlung? Diese Fragen lassen nicht nur erahnen, warum Musikverfilmungen insgesamt sehr selten sind, sondern auch, warum sie kaum je in Gestalt eines realistisch-psychologischen Spielfilms daher kommen, sondern als Experimentalfilm, allenfalls als poetischer Film, oft jedoch als Meditation, die weniger eine filmische Neuinszenierung der Musik ist, sondern das bestehende Kunstwerk lediglich mit assoziativen Bildern illustriert. Darin erinnert sie an die ebenso seltene Lyrikverfilmung, die insofern mit ähnlichen Problemen konfrontiert ist, als es auch dort um Klangfarben, Musikalität und Rhythmus (von Sprache) geht. Zu den Beispielen gehören Filme wie Ken Russells 50minütiger The Planets (Großbritannien 1983) nach der gleichnamigen sinfonischen Suite von Gustav Holst, in dem Russell mit der Kompilation und rhythmischen Montage thematisch zusammenhängender, aus der mythologischen Bedeutung der Planetennamen motivierter Bilder die Sätze der Musik zu illustrieren und historisch-semantisch zu fixieren sucht, oder kurze experimentelle Filme wie der 15minütige La p‘tite Lili (Frankreich 1928) von Alberto Cavalcanti, der die Geschichte der Titelheldin zu einem Lied von Gravel und Benech, das Darius Milhaud vertont hatte, erzählen, und der 10minütige Pasifik 231 (UdSSR 1931, Mikhail Tsekhanovski) resp. der 12minütige Pacific 231 (Frankreich 1949, Jean Mitry), die nach einer Musik von Arthur Honegger die Bewegung der Eisenbahn – der schon die Musik gewidmet ist – visuell zu instrumentieren suchen. Erst mit dem Musikvideo wird die visuelle Umsetzung von Musik zu einem Massenphänomen.